Wie mir die Änderung der Blickrichtung zu einem Aha-Erlebnis verhalf

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In diesem Blogbeitrag erfährst du,

– was eine Änderung der Blickrichtung bewirken kann

– warum es auf die Perspektive ankommt und

– wie sich die Perspektive auf dein Mindset und deine Zufriedenheit auswirken

von Wolfgang Bretschko

Wie mir die Änderung der Blickrichtung zu einem Aha-Erlebnis verhalf

Vor mir liegt ein gepflasterter Weg, ca. 1 Meter breit. Es ist Mai, alles blüht auf und sprießt. Leider auch das Unkraut zwischen den Pflastersteinen. Alle Jahre wieder muss der Weg rund ums Haus vom Unkraut befreit werden. Unkrautsalz, früher einmal Roundup genannt, scheidet aus, es bleibt die traditionelle Methode.

Ausgestattet mit einem kleinen Messer, einem Kübel und Gartenhandschuhen mache ich mich an die Arbeit. Gemäß unserer familienintern Arbeitsaufteilung ist es alljährlich mein Job mich um den gepflasterten Weg rund ums Haus zu kümmern. Vor mir liegt die erste Etappe, ca. 15 Meter lang, zwischen den Ritzen der Pflastersteine scheinen Löwenzahn&Co. besonders gut zu gedeihen. Meine Motivation mich der Aufgabe zu stellen ist wie jedes Jahr eher gering, ein notwendiges Übel, wenn ich nicht will, dass der Weg in drei Jahren praktisch zugewachsen ist. Ich knie mich wie alle Jahre hin blicke nach vor, das erste Etappenziel ist rund 15 Meter entfernt und ich starte mein Tagwerk. Aufgrund der Sonneneinstrahlung entscheide ich mich nach rund 15 Minuten mich umzudrehen und mit dem Rücken zum Ziel zu arbeiten. So befreie ich Pflasterstein- um Plastersteinreihe vom Unkraut und säubere die Wegränder. Von Zeit zu Zeit drehe ich mich kurz um zu sehen, was noch vor mir liegt. Nach gut zwei Stunden habe ich mein Tagesziel geschafft.

Ich bin zufrieden und merke, dass mir die Arbeit heuer deutlich leichter von der Hand gegangen ist als die Jahre zuvor. Ich glaube es kaum, die Arbeit hat sogar Spaß gemacht, ich war im Flow. Ich frage mich, was anders war als in den letzten Jahren? Gab es weniger Unkraut, ließ sich der Löwenzahn leichter ausrupfen. Nein. Ich grüble ein wenig und merke, dass es die Arbeitsrichtung war, die Blickrichtung in der ich gearbeitet habe. Während ich normaler Weise immer mit Blick Richtung Ziel gearbeitet habe, habe ich mich heuer unbewusst um 180° Grad gedreht und mit dem Rücken zum Ziel gearbeitet.

Ich habe die Perspektive gewechselt!

Mein Blick war somit immer auf jenen Teil des Weges gerichtet, den ich schon gesäubert hatte. Wenn ich aufblickte konnte ich zufrieden auf das blicken was ich schon erledigt hatte und ich hatte nicht ständig die gesamte Strecke vor mir, die noch zu bewältigen war. Dabei habe ich das Ziel aus dem Blickwinkel verloren und mich immer nur auf jene Pflasterreihe konzentriert die gerade zu bearbeiten war. 

Wie oft geht es uns bei Projekten im Arbeitsalltag so. Wir sehen die Berge an Arbeit die vor uns liegen, wir sehen die Strecke die vor uns liegt und uns von unserem Ziel trennt und übersehen dabei gerne, was wir schon alles erledigt haben, welchen Teil des Weges wir schon erfolgreich hinter uns gebracht haben. Wir sind zu sehr auf das Ziel fokussiert. Wir sehen die Hürden und Herausforderungen auf dem Weg dorthin und verlieren dabei den Blick auf das Hier und Jetzt, auf die Pflastersteinreihe die unmittelbar vor uns liegt. Mir wurde plötzlich klar, was es bedeutet, im Hier und Jetzt wirksam zu sein. Ich komme meinem Ziel nur näher, wenn ich die Plastersteinreihe vor mir säubere und nicht wenn ich mir den Kopf darüber zerbreche, was ich mit dem Löwenzahn in 4 Meter Entfernung machen werden. Wie oft sind wir mit unserem Gedanken schon beim übernächsten Termin, beim schwierigen Kundentermin nächste Woche und übersehen dabei, dass unsere aktuelle Aktivität, unsere aktuelle Besprechung unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt und verdient.

Es kommt auf meine Präsenz im Hier und Jetzt an.

Ich hätte nicht gedacht, dass die simple Änderung der Arbeits- und Blickrichtung soviel verändern kann. Durch die Veränderung der Blickrichtung hat sich mein Mindset geändert.

Das Ziel ist aus meinem Blickfeld gerückt und damit war ich frei mich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Ich merkte wie sich mein Mindset auf meine Zufriedenheit auswirkte und ich kam ans Ziel, ohne es ständig anzuvisieren.

In einem der letzten Blogbeiträge habe ich Erling Kagge zitiert:

„Es kommt selten etwas Gutes dabei heraus, zu viel an das Ziel zu denken und zu oft danach zu fragen.“

Heute verstehe ich besser was er damit gemeint hat.

Was habe ich bei meiner bisher wenig geliebten Gartenarbeit gelernt:

Es kommt auf auf die Perspektive an

  • Manchmal hilft eine simple Änderung der Blickrichtung

Die Perspektive bestimmt dein Mindset

  • Wähle eine Perspektive, die dir hilft vor allem im Hier und Jetzt präsent und wirksam zu sein.
  • Blicke immer wieder auf das zurück, was du schon geschafft hast.
  • Laß deine Ziele hinter dir (klingt paradox, aber wirkt).

Dein Mindset bestimmt deinen Erfolg und deine Zufriedenheit

Mehr zum Thema Loslassen findest du in meinen Blogbeitrag:

Lass deine Ziele Los und konzentriere dich auf deinen Weg

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

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