Warum jetzt erst recht selbstständig?

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Warum jetzt erst recht selbstständig?

von Wolfgang Bretschko

Diese Woche habe ich eine Bekannte getroffen, die im Bundesdienst tätig ist. Sie meinte, dass die Bundesbediensteten die Gewinner der Krise sind. Sie haben einen sicheren Job, brauchen sich wirtschaftlich keine Sorgen zu machen. Sie können sich zu Hause im Home-Office entsprechend einrichten, bis zum Jahresende, wenn sie wollen. Und das während viele Selbstständige um ihr Einkommen bangen müssen und auf Hilfeleistungen angewiesen sind, die manchmal als Almosen empfunden und vergeben werden. Es geht mir nicht um billiges Beamtenbashing. Ich habe in der Zeit des Lockdowns engagierte und hilfsbereite Beamte kennengelernt. Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede bei der Betroffenheit. Und wenn man nicht betroffen ist, kann man sich nicht vorstellen, wie das ist von einem Tag auf den anderen 50%, 60%, 70% Prozent des Umsatzes und/oder Einkommens zu verlieren und nicht zu wissen, wie es weiter geht, wie lange diese Phase dauern wird.

Zu Beginn der letzten Woche habe ich einen Newsletter von Ulrike bekommen, der zu diesen Überlegungen passt. Der Titel war einprägsam und impactstark „F**K Corona! Jetzt erst recht“. In dem Newsletter berichtet Ulrike wie sie die Krise erlebt hat: „Als Unternehmerin im 3. Geschäftsjahr, das endlich profitabel und gut gebucht gestartet hat, bin ich zu 100% durch den Rost der möglichen Förderungen und Hilfestellungen gefallen. Meine fixen Umsätze sind zwar um +70% eingebrochen, aber da ich mehr Umsatz als im Vorjahr gemacht habe, ist mein Förderungsanspruch gleich Null.“ Ihr Fazit: Jetzt erst recht. In seiner Authentizität und mit einen Schuss Selbstironie gewürzt, hatte der Newsletter eine motivierende Wirkung auf mich.

Erinnert habe ich mich dann auch an einen Newsletter von Lars Vollmer „Lasse sich retten war kann“, der sich eher kritisch mit den gesamten Rettungsmaßnahmen auseinandersetzt und zum Schluss kommt: „Das Retten ist das Problem, nicht die Lösung. Denn es macht Bürger abhängig vom Staat, macht sie unmündig und untergräbt ihre Souveränität.“ Mein Zugang dazu ist ein pragmatischer. Ich glaube, einerseits sollten wir alles was an Hilfsangeboten kommt nützen und anderseits uns weder darauf verlassen noch uns damit begnügen, sondern selbst aktiv werden.

In Phasen wie diesen kommt sehr schnell die Frage nach dem Sinn. Welchen Sinn macht das, was ich tue? Sollte ich nicht doch wieder den vermeintlich sicheren Hafen eines unselbständigen Jobs, einer Anstellung suchen? Warum habe ich mich selbstständig gemacht? Ich bin dafür nicht geboren. Ich kann es einfach nicht. Wir beginnen zu zweifeln ob der Weg, den wir eingeschlagen haben, der richtige ist? Zahlen sich die ganzen Anstrengungen und Entbehrungen, die Unsicherheiten noch aus? Zweifel sind hilfreich und giftig. Sie können leicht zu einer giftigen Mischung werden, wenn wir uns den Zweifeln ganz hingeben und ihnen nichts entgegensetzen. Wenn wir zulassen, dass unsere Zweifel eine Abwärtsspirale in Gang setzen, die nur eine Richtung kennt, die nach unten.

Es ist normal, dass insbesondere dann, wenn die Situation und die Rahmenbedingungen besonders herausfordernd sind Zweifel aufkommen. Hilfreich sind Zweifel dann, wenn wir sie nutzen und als Aufforderung verstehen, die eigenen Prioritäten wieder einmal zu klären. Was ist mir wirklich wichtig, welche Ziele will ich weiter verfolgen, welchen Anliegen und Aufgaben will ich mehr Augenmerk, mehr Gewicht schenken? Sylvia Wetzel meint dazu: „Wir finden unser Leben sinnvoller, wenn wir mehr das tun, was uns wirklich am Herzen liegt. Dazu müssen wir unsere Prioritäten klären.“

Mich begleiten zwei Aussagen, die ich zu Leitblanken meines Tuns als Unternehmer gemacht habe. Die eine Aussage wird Friedrich Nietzsche zugeschrieben:

„Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie“.

Die zweite Aussage stammt von Viktor Frankl:

„Das Leben hat unter allen Umständen Sinn.“

Wenn ich zweifle, frage ich mich bewusst nach dem Warum. Warum mache ich das alles, was sind meine Prioritäten, was liegt mir am Herzen? Auf diese Frage nach dem Warum, gibt es viele Antworten. Die Antworten sind so vielfältig und individuell, wie jede einzelne Lebensgeschichte. Die Antworten auf die Frage des Warums führen mich zurück zum Sinn. Ich gelange zu der Entscheidung, dass mein Leben unter allen Umständen Sinn hat und diesen Sinn behält, auch wenn es zurzeit Kopf steht. Was macht diese Entscheidung mit mir? Sie macht mich stark, sie macht mich mutig und kreativ. Diese Entscheidung gibt mir Hoffnung und ich komme wieder ins Tun. Ulrike hat für sich entschieden, dass das was sie tut einen Sinn hat, sie hat ihre Prioritäten geklärt und ist zur Entscheidung gelangt, jetzt erst recht. Sie hat sich durch die Zweifel nicht unterkriegen lassen. Sie hat neue Energie getankt. Ein wesentlicher Faktor in der Resilienzforschung ist die Sinngebung. Wenn wir unser Tun als sinnvoll erleben, können wir unsere Ressourcen aktivieren und nutzen.

Warum jetzt erst recht selbstständig?

  • Weil ich ein selbstbestimmtes Leben führen will, auch wenn es schwierig ist.
  • Weil ich Verantwortung für mich und mein Leben übernehmen will.
  • Weil ich meine Ideen selbst verwirklichen will.
  • Weil ich ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen aufbauen will.
  • Weil ich mit Menschen gemeinsam Neues schaffen will.
  • Weil ich für Menschen Neues schaffen will, das ihnen hilft ihr Leben sinnvoll zu gestalten und leben.
  • Weil ich stolz sein will auf das was ich selber schaffe.
  • Weil ich mich und meine Grenzen kennenlernen möchte.
  • Weil ich mein eigener Chef sein will auch in Krisenzeiten.
  • Weil ich mich und meine Zeit selbst einteilen will.
  • Weil ich kein Mitläufer sein will.
  • Weil ich kreativ bin………………..
  • Weil……………..
  • Weil………

Darum!

Die Antworten sind so vielfältig und individuell, wie jede einzelne Lebensgeschichte.

Die Idee zu diesem Blog-Beitrag ist bei einem Spaziergang durch den Wald entstanden. Ich habe spontan entschieden den Tag im Wald, in der Natur zu beginnen. Im Hintergrund hörte ich die Vögel zwitschern. Der Himmel war leicht wolkenverhangenen. Zwischendurch blitzte die Sonne durch. Es ist Freitag, eine anstrengende und herausfordernde Woche geht zu Ende. Ich weiß warum ich das alles tue und liebe. Mein Leben macht Sinn.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

Da alles schon gedacht und gesagt wurde, hier die Quellen und Ressourcen die mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert haben:

Buchtipp:
Wetzel, Sylvia. Achtsamkeit und Mitgefühl: Mut zur Muße statt Hektik und Burnout,  Klett-Cotta. Kindle-Version.
https://www.franklzentrum.org/seminarzentrum/gelebte-logotherapie.html
https://larsvollmer.com/lasse-sich-retten-wer-kann/

 

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