Warum ich kein höheres Gehalt, keine besseren Honorarsätze bekomme!

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In diesem Blogbeitrag erfährst du,

  • wie deine Vergangenheit deine Gegenwart beeinflusst
  • wie du Schritt für Schritt lernst über deinen Schatten zu springen
  • und dass es nie zu spät ist, sich neuen Herausforderungen zu stellen

Gastbeitrag von Johanna Leopold

Wie meine Vergangenheit meine Gegenwart beeinflusst oder
warum ich kein höheres Gehalt bekomme!

Ich habe einen Plan. Ich werde morgen zu meinem Chef gehen und ihn nach fünf Jahren guter Zusammenarbeit um eine Lohnerhöhung fragen. Seit zwei Wochen schon schiebe ich diese Absicht, diesen Plan, oder ist es vielleicht nur eine Vision vom höheren Gehalt schon vor mir her und jedes Mal, wenn ich mich aufraffe und fast vor seiner Tür stehe, verlässt mich der Mut.

Ich spüre einen erhöhten Herzschlag habe ein komisches Gefühl in der Magengegend und mir rinnt kalter Schweiß den Rücken hinunter. Ich mache einen Rückzieher, statt anzuklopfen finde ich mich in meinem eigenen Büro wieder und ärgere mich über mich selbst, beschimpfe mich als einen Versager, und fühle mich ziemlich schlecht.

Diese, oder ähnliche Situationen kennt fast jeder von uns.

Wir möchten zwar, aber wir trauen uns nicht!

Bei einer Frage, einer Forderung oder einer Bitte schaffen wir es nicht, diese unserem Vorgesetzten, unserem Verhandlungspartner, unserem Kunden zu stellen.

In unserem Inneren ist eine Barriere, die uns diesen letzten Schritt nicht machen lässt.

Warum?

Weil wir in der Vergangenheit Erfahrungen gemacht haben, die unser Verhalten und Handeln in der Gegenwart beeinflussen. Erinnerte Ereignisse und in der Vergangenheit Erlebtes ist im Gedächtnis positiv oder negativ bewertet,  und beeinflusst und bewertet antizipierte Ereignisse als positiv oder negativ und in ihrem Eintreten oder Ausbleiben als erwünscht oder gefürchtet.

Vielleicht war es eine Erfahrung in der Volksschule, wo ich motiviert war und ein Referat vorgetragen habe, und danach vom Lehrer ziemlich kritisiert  und vor der ganzen Klasse bloßgestellt wurde. Vielleicht war es eine Chorleiterin, die mir öfter als einmal gesagt hatte, dass ich das Singen bleiben lassen solle, weil ich nicht singen kann. Oder vielleicht war es mein Vater, dem meine Noten aus der Schule immer zu schlecht waren, wenn ich ihm stolz mein Zeugnis gezeigt habe. Dem alles, was ich geleistet habe und wofür ich mich angestrengt habe immer zu wenig war und der mir immer wieder sagte, dass ich mit mehr Anstrengung ein besseres Ergebnis hätte erreichen können.

Negative Erfahrungen und Abwertungen in der Schulzeit durch Lehrer, Eltern oder Bezugspersonen speichert unser Gedächtnis als negatives Ereignis ab.

Schon beim Gedanken und bei der Absicht zu meinem Chef zu gehen, warnt mich mein Unbewusstes und lässt alle früheren Erinnerungen aufpoppen.

Es warnt, weil es die Situation als gefährlich und negativ einschätzt und  mich vor einer möglichen neuen negativen Erfahrung/Abwertung schützen will.

Es folgt eine Stressreaktion.

Ich habe Angst, dass mich mein Chef so bloßstellen und abwerten könnte, wie es der Lehrer oder der Vater in  meinen frühen Erfahrungen gemacht hat. Große Enttäuschung, Frustration oder Unbehagen soll vermieden werden.

Vergangene Erfahrungen werden im Gedächtnis bewusst oder unbewusst aufbewahrt. Sie werden genutzt um damit die eigenen Handlungen und Pläne für die Zukunft darauf abzustimmen.

 Kann es mir dann überhaupt einmal gelingen diesen Schritt zu machen?

Unser Gehirn ermöglicht uns lebenslänglich Neues zu lernen, neue Verhaltensweisen, neue Handlungsmuster und andere Vorgehensweisen einzuüben.

Wie bei jeder Sache die neu gelernt wird, ist es notwendig zu üben und zu üben und zu üben!

Aus der Hirnforschung wissen wir, dass mit dem entsprechendem Training neue neuronale Bahnen und Verbindungen geschaffen werden. Wie einen Pfad, den man öfter geht und aus dem irgendwann ein breiter Weg entsteht, wird diese neue Verbindung in unserem Hirn immer schneller abrufbar, je öfter wir üben. Für das Lernen gibt es  keine Altersgrenze, es ist lebenslänglich möglich.

Jede Veränderung beginnt mit kleinen Schritten.

Mit kleinen positiven Erfahrungen und positiven Gedanken,
mit einmal über den eigenen Schatten springen,
sich einmal überwinden und die Angst zurücklassen…

Jedes große Ziel beginnt mit vielen kleinen Zwischenzielen und mit jeder weiteren Übung und jedem weiteren Versuch, den nächsten Schritt zu machen, rückt dieses ein Stück näher.

Wann ist es bei dir Zeit für deine nächste Lohnerhöhung?
Wann sagt du deinem Kunden, dass es Zeit ist die Honorarsätze anzuheben?

 


Autorin: Johanna Leopold
Psychotherapeutin / Msc. Integrative Therapie, Coaching, Selbständig in Praxis seit 2015.
www.meinepsychotherapeutin.at

 

 

Ressourcen:
Buch: Zeit und Handeln von Olaf Morgenroth, Verlag: Kohlhammer