belastung

Über den Umgang mit belastenden Situationen

1080 567 COCOQUADRAT
Von Wolfgang Bretschko

Wir haben in unsere Familie vor ungefähr drei Jahren ein inzwischen lieb gewonnenes Ritual begonnen. Immer montags schreibt einer von uns ein Monday Motivation Mail an den Rest der Familie. Jede Woche ist ein anderer an der Reihe. Inhalt und Form, mal mit Bild oder Video, mal als Soundfile, bleibt der jeweiligen Verfasserin überlassen. Das Mail von letzter Woche hat mich nachdenklich gestimmt und mich veranlasst meinen Umgang mit belastenden Situationen zu hinterfragen. Mein Sohn Simon hat das Mail von letzter Woche verfasst. Er hat mir erlaubt aus seinem Mail zu zitieren:

Simons Mail – ein Auszug

Disclaimer: Der folgende Absatz hat absolut nichts mit Motivation zu tun! Es folgen meine ungefilterten Gedanken zu der Lage, in der wir uns gerade befinden.

Ein bisschen zu meiner Situation: Ich studiere seit September auf der TU und hatte noch absolut keine Chance irgendwie Leute aus meinem Studiengang kennenzulernen. Seit September habe ich nur Online-Unterricht, nach wie vor gleich viel Stoff wie die vergangenen Jahrgänge. Ich muss zuschauen wie wir Studenten unseren lieben Politikern egal sind, während man für Schüler alles tut, damit deren Jahr so angenehm wie möglichst wird (Ok, der Vergleich ist etwas unfair, da ich nicht beurteilen kann, wie sich Schüler zurzeit fühlen).

Seit September werde ich mit Assignments vollgestopft, arbeite nebenbei auch noch und habe nicht einmal eine Möglichkeit, mich in irgendeiner Bar oder einem Pub mit Freunden zu treffen, um gemütlich ein paar Bier zum Ausgleich zu trinken. Ich sitze seit gefühlt September im Dauerlockdown und muss unseren Politiker zuschauen wie sie gegenseitig mit dem Finger auf sich zeigen, anstatt irgendwie auch nur zu versuchen die ganze Lage zu verbessern.

Seit September halte ich mich so gut es geht an die Corona-Maßnahmen, treffe außer der Familie und meiner WG nicht mehr als 2 – 3 Leute und muss zuschauen, wie Regionen, die sich absolut Null an Maßnahmen gehalten haben, nun Spritzen bekommen. Ich höre mir seit September an, dass die nächsten zwei Wochen entscheidend sind. Ich mache diesen ganzen Dreck schon viel zu lange mit, um die ältere Generation zu schützen und um meinen Teil zu tun, um diese Pandemie so schnell wie möglichst zu überstehen. Was habe ich davon? Absolut gar nichts! Wir Studenten sind den Politikern egal. In der Zeitung wird immer wieder mit dem Finger auf die 15-24 Jährigen gezeigt, alle in einen Topf geworfen und gesagt, dass wir an den steigenden Fallzahlen schuld sind.

Ich fühle mich unfair behandelt, ich fühle mich ignoriert, ich fühle mich verarscht…

Mein Umgang mit belastenden Situationen

Ich habe Simons Mail gelesen und war betroffen und überfordert. Ich hatte nicht mitbekommen, wie sehr ihn die Situation belastet. Wie sollte ich mit dieser Mail umgehen? Wie sollte ich auf dieses Mail reagieren? Meine erste Reaktion war mit ihm zu reden, dass es ja gar nicht so dramatisch und schlimm sei. Ich wollte ihm erklären, dass es Menschen gibt, die in deutlich schwierigeren Lebensverhältnissen ihr Dasein bewältigen müssen. Dass es Menschen gibt, deren Schicksal deutlich schlimmer ist. Ich habe überlegt mit ihm darüber zu sprechen, dass er die Situation auch differenzierter betrachten sollte. Ich spürte, dass dies kontraproduktiv ist und nichts bringen würde.

Dann habe ich mich an einen Zugang erinnert, den ich für mich im Umgang mit belastenden Situation entdeckt und entwickelt habe. Ich bezeichne diesen Zugang gerne als 3 A Problembewältigungsstrategie. Die 3 A stehen für:

Akzeptieren – Analysieren – Antworten

Schritt 1: Akzeptieren

Wenn eine Situation für mich schwierig und manchmal auch ausweglos erscheint, verspüre ich einen Gefühlscocktail aus Angst, Widerstand, Frustration. Ich hadere mit mir selbst. Meist hätte ich die Situation gerne anders. Ich würde gerne anders reagieren, souveräner mit der Situation umgehen. Aber es geht nicht.

Inzwischen habe ich gelernt, diese Gefühlte von Angst und Widerstand zu akzeptieren, die Situation wie sie ist anzunehmen. Wenn ich Wut verspüre, dann verspüre ich Wut.  Wenn ich Angst verspüre, dann verspüre ich eben Angst. Ich habe realisiert, dass es mir besser geht, wenn ich die Wut, den Ärger den Frust zulasse und nicht versuche diese Gefühle wegzuschieben oder zu unterdrücken. Das bringt nichts.

Der erste Schritt im Umgang mit belastenden Situationen ist es die Situation so zu akzeptieren wie sie ist. Meine Gefühle und Gedanken dazu, so wie sie sind und wie sie in mir hochkommen, anzunehmen.

Schritt 2: Analysieren

Der zweite Schritt besteht darin, die Situation zu analysieren. Fragen können helfen, die Situation und meine Rolle besser zu verstehen. Ich starte damit, die Situation einfach zu beschreiben. Oft hilft es mir auch die Situation aus der Sicht eines unbeteiligten Dritten zu betrachten und beschreiben. Wobei niederschreiben im wörtlichen Sinn mit Papier und Stift zu einem noch tieferen Verständnis führen kann.

Beim Niederschreiben bzw. Analysieren geht es darum die Situation aus einer gewissen Distanz zu beobachten mich selbst zum Objekt meiner Beobachtung zu machen. Mit etwas Abstand ist es oft möglich einen anderen Blick auf die Situation zu bekommen.

Oft hilft es, eine räumliche Distanz zur Situation zu bekommen, einfach aus der Situation raus zu gehen, um eine neue Perspektive, einen neuen Blickwinkel zu erlangen. Ein anderes Mal hilft auch schlichtweg die zeitliche Distanz. Einmal drüber schlafen und am nächsten Morgen habe ich möglicherweise schon einen anderen, einen neuen Blick.

Schritt 3: Antworten

Im Schritt 3 suche ich Antworten. Ich suche nach Möglichkeiten, nach neuen Zugängen, wie ich mit der Situation umgehen kann. Im Rahmen der Situationsanalyse erarbeite ich alternative Blickwickel und Möglichkeiten. Diese schaffen die Basis für Schritt 3. Die unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten werden dann von mir bewertet, ob sie die Situation lösen können, eine Verbesserung bringen oder einen nächsten guten Schritt auf dem Weg darstellen können.

Erst das Akzeptieren der Situation wie sie ist bzw. wie ich sie erlebe, macht mich frei für den nächsten Schritt, die Situation zu analysieren und meine Position zu reflektieren. Das Finden von möglichen Antworten macht mich wieder handlungsfähig.

Mein Versuch einer Antwort

Zurück zu Simons Mail. Ich habe gemerkt, dass ich mit dem Inhalt überfordert war und dass ich nicht wusste wie ich darauf reagieren sollte.

Als ich das für mich realisiert und akzeptiert hatte, konnte ich beginnen die Situation zu analysieren und nach Antworten zu suchen. Ich habe akzeptiert, dass ich überfordert bin und dass Simon die aktuelle Situation frustriert und demotiviert. Dass er angefressen ist und dies auf seine Weise artikuliert. Damit macht der die Situation besprechbar und bearbeitbar.

Ich habe meine erste Reaktion, Simon davon zu überzeugen, dass alles gar nicht so schlimm sei und er die Situation differenzierter betrachten solle bei Seite geschoben. Folgendes habe ich ihm auf sein Monday Motivation Mail geantwortet:

Hallo Simon,

ich finde es gut, dass du den Frust und den Ärger, den die aktuelle Situation bei dir auslöst, wegschreibst. Die aktuelle Situation ist scheiße und frustrierend.

Ich habe mir angewöhnt jeden Morgen einen Beitrag auf Medium zu lesen. Der Link, How to Build a More Resilient Brain,  führt zum Beitrag, den ich heute gelesen habe und der zur Situation passt.

LG

Wolfgang

 

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

Ressourcen / Quellen:
How to Build a More Resilient Brain
https://link.medium.com/oHeR2hEfUeb

Der Beitrag enthält eine gute Aufzählung von Möglichkeiten, wie wir uns selbst im Umgang mit belastenden Situationen, wie der aktuellen, stärken können.

Gewinne 2×1 Ticket für die Change Management Werkstatt!

Jede Teilnahme gewinnt! Im Anschluss an die Auslosung erhältst du einen Rabattcode über 10% für deinen Ticketkauf.

Unter dem Motto »Was kommt, was bleibt, was geht?« wird gemeinsam Zuversicht getankt. Gemeinsam werfen wir einen frischen Blick auf Zukunfts-Fitness, Agilität, Innovationskraft und Leadership abseits von Show und Kontrollfantasien.

Mach dich fit für das Abenteuer Selbstständigkeit:

Life Design Onlinekurs „Besser entscheiden. Erfolgreich umsetzen.“
Dieser Online-Kurs hilft dir step-by-step, bessere Entscheidungen zu treffen und diese erfolgreich umzusetzen.
Preis: € 98,00 zzgl. 20% Mwst.

Speedcoaching
1 Frage – 25 Minuten – 1 Lösungsansatz
Jeden Mittwoch – Online – Die erste Einheit ist gratis!

Life Design360 Startup Package
Coachingpaket für Durchstarter und Life Designer  mit Wolfgang Bretschko
3 persönliche Coachingeinheiten zu 1,5 bis 2,0 Stunden
Standortbestimmung | Szenarioplanung | Entscheidungsfindung | Umsetzungsplanung
Preis: € 890,00 zzgl. 20% Mwst.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Diese Website verwendet Cookies - nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.