Was bei den meisten Videos und Bücher zum Thema Selbstoptimierung und Motivation gerne übersehen wird

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Warum Videos zum Thema Selbstoptimierung und Motivation oft zu Frustration führen. Warum wir uns von der Aussage „Alles ist möglich“ so gerne verführen lassen. Warum sich ein Blick hinter die „Alles ist möglich“ Fassade lohnt.

Von Wolfgang Bretschko

Der Motivation haftet etwas Mystisches an. Wir alle dürsten immer wieder nach ihr und suchen sie auf unterschiedliche Weise. Eine ganze Industrie lebt davon, dass wir glauben durch Selbstoptimierung und Motivation die Herausforderungen des Lebens besser meistern zu können.

Ich selbst ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mir das eine oder andere Video dazu anschaue. Währenddessen spüre ich wie sich eine Sehnsucht nach Veränderung breit macht. Ich bin motiviert. Kurze Zeit später macht sich ein flaues Gefühl in der Magengegend bemerkbar und die anfängliche Motivation schlägt in Frustration um. Was vermitteln diese Videos, das mich einerseits motiviert und anderseits frustriert?

Selbstoptimierung und Motivation leicht verdaulich

Vor kurzem bin ich auf ein Video von Jürgen Höller aufmerksam gemacht worden. Das Video ist perfekt geschnitten und vertont. Leicht verdaulich und gut konsumierbar werden die Kernbotschaften vermittelt:

  • Ich kann alles verändern.
  • Ich kann alles sein.
  • Ich kann alles tun.
  • Ich kann alles haben.

Am Höhepunkt angelangt, kommt die Kernaussage:

„Es gibt zwei Möglichkeiten mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen: Sei Opfer oder sei Schöpfer“

Eine einfache und verlockende Botschaft

Ich kann alles sein und alles machen, wenn ich es nur will. Ich kann entscheiden, ob ich Opfer oder Schöpfer sein will. Das klingt einfach und verlockend. Die gesamte Selbstoptimierungsindustrie lebt von dieser Kernbotschaft.

Natürlich wollen wir alle gerne hören, dass wir alles können, wenn wir nur wollen. Es finden sich immer wieder Beispiele die belegen, dass scheinbar Unmögliches möglich ist. Diese Beispiele sind trügerisch. Sie ändern nichts daran, dass es tatsächlich Unmögliches gibt. Das Paradoxe daran ist, dass in dem Moment wo etwas scheinbar Unmögliches möglich wird, es nie unmöglich war.

Die Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird, mag zwar wahr, möglich und motivierend sein. Es wird allerdings selten darüber gesprochen, dass dies die Ausnahme ist. Die überwiegende Mehrheit der Tellerwäscher bleibt beim Waschen von Tellern. Sowie die weitaus überwiegende Mehrheit der Lottospieler verliert. Ein 6er im Lotto ist eben reine Glückssache und nichts, womit wir planen können oder auf das wir hinarbeiten können.

Ein Blick hinter die „Alles ist möglich“ Fassade

Die Wahrheit ist, ich kann nicht alles sein, ich kann nicht alles machen. Die Entscheidung Täter oder Schöpfer zu sein, ist keine einfache, digitale Entscheidung. Es gibt Situationen, da bin ich Opfer und es gibt Situationen, da kann ich als Schöpfer tätig werden. Die Weisheit besteht darin, dass eine vom anderen zu unterscheiden und es zu akzeptieren. Leben ist nicht einfach, Leben ist vielfältig und komplex. Oft stehen wir vor schwierigen Entscheidungen und haben nicht zwei einfache Optionen, also die Wahl zwischen Opfer oder Schöpfer.

Aussagen die suggerieren, dass alles möglich ist, wenn ich nur will, verheimlichen diese Komplexität unserer aller Lebenswirklichkeiten. Wenn es um Selbstoptimierung und Motivation geht, scheinen Hausverstand und Lebenserfahrung oft keine Geltung mehr zu besitzen. Vielleicht lassen wir uns bewusst oder unbewusst von der süßen Frucht „Alles ist möglich“ verführen. Was übersehen wir dabei allzu gerne?

Eine unscheinbare Nebenbedingung

Im Video folgt ein Disclaimer, den ich erst beim zweiten Ansehen gehört und mitbekommen habe:

„Du kannst alles sein, was innerhalb deiner Grundbegabungen möglich ist.“

Eine kleine, aber nicht unwesentliche Einschränkung, die ich zunächst überhört habe oder vielleicht auch nicht hören wollte, weil sie die schöne Illusion „Alles ist möglich“ relativiert. Damit wird die Kernbotschaft des Films sabotiert. Was bedeutet diese Einschränkung eigentlich?

Wenn meine Grundbegabung das Skifahren ist, sollte ich nicht danach streben, Literaturnobelpreisträger zu werden. Es wird nicht funktionieren, weil diese Option außerhalb meiner Grundbegabungen liegt. Die Aussicht, dass alles möglich ist, ist viel verführerischer als die Einsicht, dass ich an die Einschränkungen meiner Grundbegabung gebunden bin.

Rational wissen wir, dass nicht alles möglich ist, dass ich mit 35 nicht mehr das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel gewinnen werde. Rational wissen wir, dass es sehr unwahrscheinlich ist, so viel Geld zu verdienen wie Jeff Bezos mit Amazon oder Marc Zuckerberg mit Facebook. Emotional richten wir uns dennoch immer wieder daran auf und lassen uns von der scheinbar erreichbaren Vorstellung verführen.

Konzentriere dich auf deine Grundbegabungen

Für mich ist diese Einschränkung die zentrale Aussage dieses Videos. Im Rahmen meiner Grundbegabungen, kann ich alles sein was ich will und was mir möglich ist. Konzentriere dich auf das was dir liegt und was du gut kannst. Wo liegen deine Stärken, wo liegen deine Ressourcen? Was liegt dir, was kannst du wirklich gut? Jeder von uns hat ein einzigartiges Set an Begabungen, Stärken und Erfahrungen.

Deine Grundbegabung zu finden und zu entwickeln ist ein hartes Stück Arbeit. Dafür brauchst du Ausdauer, Fleiß und Konsequenz.

Wenn du ein guter Skifahrer werden möchtest, wirst du täglich trainieren. Du wirst bei schlechtem Wetter auf der Piste stehen. Auch wenn du keine Lust hast, wirst du auch Aufgaben zu erledigen haben, die wenig Spaß machen. Du wirst Ausdauer und Kraft trainieren, auch wenn du gerade nicht motiviert bist.

Konsequente Arbeit führt zu Selbstoptimierung und Motivation

Das gleiche gilt für den Aufbau deines eigenen Unternehmens. Baue es auf dem Fundament deiner Grundbegabungen auf. Achte darauf, deine Stärken zum Einsatz zu bringen. Das wird dir Energie geben, dich befriedigen und über Durststrecken hinweghelfen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du erfolgreich sein wirst, wird deutlich steigen, wenn du dich mit etwas beschäftigst, das dir liegt und wofür du eine Grundbegabung hast.

Du wirst trotzdem täglich hart an der Verwirklichung deiner Ziele zu arbeiten haben, ob du motiviert bist oder nicht. Du wirst dich auch mit Themen und Aufgaben beschäftigen, die lästig sind. Wer kümmert sich schon gerne um die Buchhaltung, um das Scheiben von Rechnungen oder lästigen Anträgen?

Wichtig ist es jene Tätigkeiten und Aufgaben zu finden, die dich weiterbringen und dich darauf zu fokussieren. Achte darauf bei diesen Aktivitäten immer besser zu werden. Um gut Klavier spielen zu können, braucht es mindestens 10.000 Stunden Übungszeit. Mindestens 10.000 Stunden, damit aus einem musikalisch begabten Kind ein Profi-Musiker wird. Diese Zehntausender-Formel vom amerikanischen Publizisten Malcom Gladwell ist inzwischen zu einer allgemein anerkannten Regel für Erfolg geworden.

Es ist genug möglich

Es ist nicht alles möglich, aber meistens vielmehr als wir glauben. Du musst nicht nach dem Unmöglichen streben, denn das was im Rahmen deiner Grundbegabung möglich ist, bietet dir genug Chancen dich zu entwickeln. In dir stecken vielmehr Möglichkeiten als du bisher ausgeschöpft hast. Glaub an dich und arbeite konsequent daran, deine Grundbegabungen zu finden und auszuschöpfen. Gönne dir genug Übungszeit. Wer übt sorgt automatisch für Selbstoptimierung und Motivation.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

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5 Kommentare
  • Konstanze
    Beantworten

    Sich auf seine Talente und Stärken zu besinnen, halte ich für einen der wesentlichen Punkte auf dem Weg zum „Erfolg“. Ich beschäftige mich in letzter Zeit verstärkt mit meinen Talenten und lege den Fokus nicht länger darauf, meine Schwächen zu kompensieren.

    Liebe Grüße, Konstanze

    • Wolfgang (Cocoquadrat)
      Beantworten

      Liebe Konstanze, ja wichtig ist es die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und für die Schwächen einen praktikablen workaround zu finden, z.B. wenn möglich diese Aufgaben durch jemanden anderen erledigen zu lassen.
      Liebe Grüße
      Wolfgang

  • Anja
    Beantworten

    Wunderbarer Artikel lieber Wolfgang! Du bringst genau das zur Sprache was ich mir auch beim Anschauen dieser Videos denke oder empfinde und gibst gleich noch paar tolle und wertvolle Tipps an die Hand. Und hier kommt noch einer von mir: “fange dort an wo du stehst!”

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