Nein Sagen und Grenzen setzen

Nein Sagen und Grenzen setzen
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Warum ja sagen leichter fällt als nein sagen. Warum nein sagen und Grenzen setzen immer wichtiger wird. Wie dir ein Nein zu mehr zeitlicher Autonomie verhilft.

Von Wolfgang Bretschko

Wann hast du das letzte Mal bewusst nein gesagt? Wie hast du dich dabei gefühlt? Ich erinnere mich an ein nein, als ich mit meiner Frau in Innervillgraten wandern war und mir der Anstieg zum Gipfel des Regensteins einfach zu steil und zu ausgesetzt war. Ungefähr 100 Meter unter dem Gipfel habe ich nein gesagt und bin nicht weiter hinauf gegangen. Sie ist auf den Gipfel gegangen. Etwas unter dem Gipfel habe ich dann gewartet. Ich habe mich danach gefragt, ob das wirklich notwendig war, vielleicht hätte ich mich doch trauen sollen? Es war mir nicht leicht gefallen nein zu sagen, eine Grenze zu setzen.

Ob privat oder geschäftlich, es scheint so, dass ein Ja leichter fällt als ein Nein. Warum ist das so? Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einem Nein und einem Ja. Warum wird nein sagen, Grenzen setzen besonders im geschäftlichen Leben immer wichtiger?

Wie die Multioptionsgesellschaft uns (über-)fordert.

Wir leben in einer Zeit, die uns in allen Lebensphasen und -situationen so viele Wahlmöglichkeiten bietet wie nie zuvor. Das beginnt im Alltag bei der Auswahl im Supermarkt. Wir stehen vor übervollen Regalen. Unsere Kinder sind gefordert, aus dem Bildungsüberangebot das passende herauszufiltern. Welche Berufslaufbahn, welches Studium, welcher Job ist der richtige? Und selbst am Abend oder in der Freizeit haben wir die Qual der Wahl. Dutzende Fernsehsender locken mit den immer gleichen Filmen und Serien. Nicht genug damit bieten Netflix und Co eine Auswahl, die praktisch überall und zu jeder Zeit verfügbar ist. Den ganzen Tag über sind wir gefordert. Wir stehen vor dutzenden Entscheidungssituationen. Unzählige Angebote prasseln per Mail, Telefon und Social Media auf uns nieder. Sehr oft werden wir zu einem Ja gedrängt. Nein sagen, Grenzen setzen wird immer wichtiger.

Bewusst nein zu sagen hilft dir dein Leben zu leben und nicht das der anderen.

Warum nein sagen schwerer fällt als ja sagen.

Oft gehen wir einen Weg einfach weiter, weil es leichter ist ja zu sagen. Wir wollen nicht als Spielverderber oder gar Angsthase dastehen. Wie stehe ich da, wenn ich kurz vor dem Gipfel aufgebe und nein sage? Weitergehen, ja sagen kostet weniger Energie, ich muss weniger argumentieren. Ja sagen heißt aber auch, dass ich meine eigenen Ängste und Befürchtungen übergehe und das was ich wahrnehme (ich traue mich nicht weiter), nicht ernst nehme. Nein sagen fällt schwerer. Die Sehnsucht von allen geliebt zu werden ist groß. Die Gefahr als Everybody`s Darling zwischen allen Stühle zu landen wird dabei oft übersehen.

Oft wollen wir zu jemanden nicht nein sagen, weil wir weiter mit ihm oder ihr zusammenarbeiten wollen. Wir fürchten ein nein könnte sie oder ihn zu verärgern. Mit einem nein könnten wir uns unbeliebt machen.

Was der wesentliche Unterschied zwischen einem Ja und einem Nein ist.

Es scheint so, dass ja und nein das gleiche Gewicht hätten. Ich entscheide mich in einer Situation für ein ja oder ein nein. Tatsächlich sind mit der Entscheidung für ein ja oder nein ganz unterschiedliche Konsequenzen verbunden. Mit einem nein, sage ich nein zu einer bestimmten, konkreten Option. Mit einem ja gehe ich in aller Regel eine Verpflichtung ein. Meist eine zeitliche Verpflichtung, oft auch eine finanzielle Verpflichtung. Wenn ich zum Beispiel ja zu einem Abonnement in einem Fitness Studio sage, gehe ich eine zeitliche und eine finanzielle Verpflichtung ein. Ich entscheide mich mit diesem ja gleichzeitig wie ich meine Zeit zukünftig verwenden möchte. Das Geld, das ich einmal ausgegeben habe, kann ich kein zweites Mal ausgeben.

Vom Ökonomen Tim Harford stammt die Aussage, dass jedes Mal, wenn wir zu einer Anfrage ja sagen, wir auch nein zu allem sagen, was wir mit der Zeit alternativ erreichen könnten.

Ein Ja hat sehr oft weitreichendere Konsequenzen als ein Nein. Oft sind wir uns dessen nicht bewusst. Wenn ich nein sage, spare ich Zeit in der Zukunft. Mit einem Nein halte ich mir die Zukunft offen. Ich behalte die Möglichkeit meine Zeit so zu verbringen, wie ich will. Ja sagen kostet sehr oft Zeit in der Zukunft. Dazu fällt mir der Spruch (leicht abgewandelt) ein: „Drum prüfe, wer sich mit einem Ja bindet, ob sich nicht was Besseres findet.

James Clear fasst das sehr gut zusammen:

„Nein ist eine Entscheidung. Ja ist eine Verantwortung.“

Wie dir ein Nein zu mehr zeitlicher Autonomie verhilft.

Zeit ist eine unserer wichtigsten Ressourcen. Im Gegensatz zur Ressource Geld ist Zeit nicht vermehrbar, sondern begrenzt. Daher ist es besonders wichtig mit der Ressource Zeit sehr sorgsam umzugehen und Grenzen zu setzen. Wie wir gesehen haben, ist ein ja, auch sehr oft mit einer zeitlichen Verpflichtung verbunden. Du solltest daher nur ja sagen, wenn es wirklich Sinn macht, wenn dich ein ja deinen Zielen näher bringt. Bevor du ja sagst, mache dir die Konsequenzen deiner Zustimmung bewusst. Prüfe, ob du bereit bist den Preis zeitlich und finanziell zu bezahlen. Gewöhne dir an standardmäßig nein zu sagen und deine Schwelle zum ja sagen kontinuierlich zu erhöhen. So gewinnst du Zeit für das, was wirklich wichtig ist. Wenn du nein sagst bewahrst du dir die Möglichkeit ja zu sagen.

Wie dir Nein-Sagen hilft deinen Weg zu finden und zu gehen.

Erfolgreiche Menschen haben eine Strategie. Sie haben einen sehr klaren Fokus und stehen für ein bestimmtes Produkt oder Service. Sie wissen was sie tun und noch wichtiger, was sie nicht tun. Ich bin der Meinung das Strategien sehr oft am Weg entstehen und nur selten am grünen Tisch, oder in der Abgeschiedenheit einer Klausur.

Erfolgreiche Strategien sind das Ergebnis von viele Entscheidungen, die wir am Weg treffen und die durch unsere Erfahrungen entstehen.

Wichtiger sind dabei jene Entscheidungen, die wir mit mit einem klaren Nein beantworten. Sag nein zu Ablenkungen. Nein zu allem, was dich deinen Zielen nicht näher bringt. In diesem Zusammenhang bringt James Clear als Beispiel Steve Jobs, der sagte: „Die Leute denken, Fokus bedeutet, Ja zu dem zu sagen, worauf man sich konzentrieren muss. Aber das bedeutet es überhaupt nicht. Es bedeutet, Nein zu den hundert anderen guten Ideen zu sagen, die es gibt. Du musst sorgfältig auswählen. “

Mit einem Nein schärfst du dein Profil und bewahrst dich davor Everybody`s Darling zu werden.

Wie dir jedes Nein die Option für ein Ja eröffnet.

Nein zu sagen kann schwierig sein. Daher neigen wir oft zu einem vorschnellen Ja und sind uns der Konsequenzen erst im nach hinein bewusst. Daher ist es wichtig, beim nein sagen auf den Ton zu achten und zu erklären, warum wir nein sagen. Ein freundlicher und warmherziger Ton kann helfen, das nein verständlich zu machen. Mir hat einmal ein Coach auf die Frage, wie ich ein Angebot ablehnen kann ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen gesagt: „Es kommt immer darauf an, wie du dein Nein formulierst. Wenn du deinen Weg gehen willst wirst du öfter nein sagen, achte auf das wie. Das macht den Unterschied.“ So kann dir jedes Nein ein Ja eröffnen und dich deinen Träumen und Zielen ein Stück näher  bringen.

Sag nein zu operativer Hektik und ja zu Fokus und Konzentration.
Nein zu unrealistischen Zielen und ja zu erfüllbaren Plänen und Selbstzufriedenheit.
Sag nein zu permanenter Überforderung und ja zu Selbstwirksamkeit.
Nein zu Angst und Panikmache und ja zu realistischem Optimismus und positivem Denken.
Sag nein zum Informationsoverkill und ja zu mehr Gelassenheit und Achtsamkeit.

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Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

Vieles wurde schon gedacht und gesagt. Hier findest du die Quellen und Ressourcen die mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert haben:

Ressourcen:
Internet:

Warum wir uns mit dem Nein sagen schwertun
https://www.psychotipps.com/selbstsicher-nein-sagen.html

The Ultimate Productivity Hack is Saying No
https://jamesclear.com/saying-no

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