Wie du mit Herz und Verstand zu guten Entscheidungen kommst.

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Wie du mit Herz und Verstand zu guten Entscheidungen kommst.

von Wolfgang Bretschko

Als ich 18 Jahre alt war habe ich mich entschieden nach der Matura nach Graz zu gehen, um ein Studium zu beginnen. Welches war mir nicht so klar. Zufällig traf ich eine ehemalige Schulfreundin auf der Inskriptionsstelle. Ich fragte sie, was sie studieren werde. Sie antwortete Jus. Da dachte ich mir, das könnte ich auch studieren und meldete mich dafür an. Weil ich mir nicht sicher war, ob das die richtige Entscheidung war, inskribierte ich zur Sicherheit auch noch in BWL. Es war eine gute Entscheidung. Ich habe Jus fertig studiert und es bis heute nicht bereut. Während meines Doktoratsstudiums, welches zu jener Zeit eher einem Nebenjob glich, suchte ich einen Job. Was es war, war Nebensache, denn es sollte ja nur zur Überbrückung sein. Ich startete bei einem Medienunternehmen und blieb dort die nächsten 20 Jahre. Es war eine gute Entscheidung.

Im Durchschnitt treffen wir 70 Entscheidungen pro Tag

Tagtäglich treffen wir Entscheidungen. Unser Weg vom Aufstehen bis zum Schlafengehen ist gespickt mit Situationen, die uns Entscheidungen abverlangen. Viele davon alltäglich, manche davon entscheidend.

Das Entscheiden ist eine der wesentlichen Aufgaben unseres Geschäftsalltags. Wie gehe ich den heutigen Tag an? Welche Aufgaben haben Priorität, was will ich zuerst erledigen, was kann warten? Welche Mails will ich beantworten, welche kommen ins Archiv, welche lösche ich gleich. Was werde ich heute zu Mittag essen oder gehe ich vielleicht mit jemanden essen? Geht sich heute am Abend noch eine Joggingrunde aus? Werde ich am Abend noch Lust und Energie dazu haben? Dazu fällt mir eine alte Werbekampagne der Bank Austria ein. Der Slogan: Was wären die großen Erfolge, ohne die Kleinen. Was wäre das Leben ohne die vielen kleinen Entscheidungen? Neben diesen vielen kleinen Entscheidungen gibt es die großen, die die Richtung unseres Weges ändern. Entscheidungen, die unseren Weg für die nächsten 5, 10 oder sogar 20 Jahre bestimmen. Wir nehmen eine Abzweigung und verabschieden uns von den Möglichkeiten, die der andere Weg uns geboten hätte.

  • Wie kann ich große, wichtige, „entscheidende Entscheidungen“ treffen?
  • Kann ich wie bei einem Handwerk, das Entscheiden lernen und beherrschen?
  • Ist auch Entscheiden reine Übungssache?

Das Marmelade Dilemma

Professor Sheena Iyengar ist Expertin für Entscheidungstheorie und lehrt am Institut für Wirtschaftspsychologie an der Columbia Business School. In ihren Experimenten beschäftigt sie sich mit der Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen. Sie geht der Frage nach was unsere Entscheidungen wie beeinflusst. Bekannt ist ihre „Marmelade Studie“. Sie stellte in einem Laden einen Verkaufstisch mit 6 Marmeladesorten auf. Im Verlauf von ein paar Tagen beobachtete sie das Verhalten der Kunden. Nach einer Woche wiederholte sie das Experiment und stellte einen Tisch mit 24 Sorten auf. In der ersten Woche blieben 40% der Kunden stehen und 13% kauften ein Glas. In der zweiten Woche blieben 60% der Kunden stehen. Allerdings kauften nur 3% ein Glas Marmelade. Offensichtlich lieben wir es viele Optionen zu haben. In der zweiten Woche stieg die Anzahl der Kunden, die vor dem Tisch stehen blieben um 50%. Die Kehrseite der Medaille – Wir können mit der Auswahl nicht umgehen. Zu viele Optionen hindern uns daran eine Entscheidung zu treffen. Wir verabschieden uns ohne Kaufentscheidung.

Wichtige Entscheidungen brauchen Optionen. Aber nicht zu viele, denn dann kommen wir nicht zum Entscheiden und fühlen uns überfordert.

Das Handwerk des Entscheidens

Entscheiden gehört zum Geschäftsalltag. Daher sollten wir beim Entscheiden auf einen bewährten und soliden Prozess setzen. Wir können auf Erfahrungen und Erkenntnisse, wie jene von Professor Iyengar zurückgreifen.

Um gute Entscheidungen treffen zu können genügen 4 Schritte. Diese 4 Schritte helfen den Prozess des Entscheides zu strukturieren und auf eine solide Basis zu stellen:

  • Schritt 1: Optionen sichten und sammeln
  • Schritt 2: Eine Shortlist erstellen
  • Schritt 3: Entscheiden
  • Schritt 4: Loslassen und nach vorne schauen

Entscheiden heißt eine Auswahl zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten zu treffen. Daher hängt die Qualität der Entscheidung auch von der Qualität der Optionen ab, die ich entwickelt bzw. evaluiert habe. Unterschiedliche Optionen zu entwickeln ist ein kreativer Prozess. Lass dir Zeit, binde unterschiedliche Perspektiven ein, hole Feedback ein. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn du den Eindruck hast, du hast nur eine Option und du kannst dich dafür oder dagegen entscheiden. Nehme ich den Job oder den Auftrag an, ja oder nein. An dieser Stelle macht es Sinn den Horizont zu erweitern und zumindest noch eine dritte Option zu suchen.

Während es in Schritt 1 darum geht die Entscheidungssituation möglichst breit und offen für Neues zu betrachten, geht es im zweiten Schritt darum die Optionen zu priorisieren und auf 3 bis max. 5 Optionen zu beschränken. Sonst läufst du Gefahr, Opfer des Marmelade Dilemmas zu werden und überhaupt zu keiner Entscheidung zu kommen. Wenn du immer wieder neue Optionen findest, ist dies vielleicht ein Indiz dafür, dass du noch nicht bereit bist, zu entscheiden oder du einfach keine Entscheidung treffen willst.

Im Schritt drei entscheidest du dich für eine Option. Je gewichtiger die Entscheidung ist, desto mehr Zeit kannst du dafür verwenden. Lasse neben einer faktenorientierten Gegenüberstellung auch Platz für deine Intuition, dein Bauchgefühl. Sprich mit einem guten Freund und schlafe noch eine Nacht darüber. Wenn sich die Entscheidung am nächsten Tag weiter gut anfühlt, setze sie um. Gute Entscheidungen helfen dir ins Tun zu kommen, in die Umsetzung zu kommen.

Schritt 4 wird oft übersehen. Je gewichtiger die Entscheidung, desto wichtiger ist dieser Schritt. Wir alle kennen das Gefühl, das nach einer Entscheidung aufkommt. Du hast ein Samsung Smartphone gekauft, du gehst aus dem Geschäft, triffst einen Freund, der das neue iPhone von Apple hat und fragst dich, ob du nicht doch ein iPhone kaufen hättest sollen. War die Entscheidung richtig? Schaut das iPhone nicht viel cooler aus?

Da wir heute besonders viele Optionen haben, ist es besonders einfach mit der getroffenen Wahl unzufrieden zu sein. Wenn wir mit der Entscheidung unzufrieden sind, besteht die Gefahr, dass wir nur halbherzig an die Umsetzung gehen. Damit verstärken wir die die Zweifel an der Entscheidung.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen verabschiede dich bewusst von deinen Alternativen, von den Optionen gegen die du dich entschieden hast. Du hattest gute Argumente dafür, du bist in einem soliden Prozess zu der Entscheidung gelangt.

Schaue nach vor und freue dich auf das Abenteuer der Umsetzung.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

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