Meine 5 Erfahrungen aus der Corona Auszeit

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Meine 5 Erfahrungen aus der Corona Auszeit

von Wolfgang Bretschko

Im März 2015 bin ich für 6 Wochen nach San Francisco geflogen. Nachdem ich meine Managementkarriere beendet hatte, wollte ich mir eine Auszeit gönnen. Ich wollte mich von der Gründerszene im Silicon Valley und dem Spirit in San Francisco inspirieren lassen. Für mich war es Zeit nach 20 Jahren in unterschiedlichen Managementpositionen neue Eindrücke zu sammeln und meine Batterien wieder aufzuladen. Ich bin mit gemischten Gefühlen zum Flughafen gefahren und war beim Hinflug leicht angespannt. Was würde mich erwarten? Wie würde es mir in den 6 Wochen ergehen, so ganz auf mich allein gestellt? Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich wieder alleine unterwegs war. Alleine ohne Familie, allein ohne die Firma im Hintergrund. Es wurde eine interessante und lehrreiche Zeit, in der ich viele neue Erfahrungen sammeln konnte und viel über mich erfahren habe. Das war eine bewusst gewählte und beabsichtigte Auszeit.

Im März 2020 starteten wir alle unfreiwillig in eine Auszeit, mit der keiner von uns gerechnet hatte. Das Wirtschaftsleben ist zum Erliegen gekommen. Was im Jänner und Februar noch undenkbar war, ist im März Realität geworden. Der Begriff der neuen Realität wurde rasch geprägt. Seit 7 Wochen leben wir mit Ausgangsbeschränkungen. Es ist eine kollektive Auszeit, die so ziemlich jeden von uns individuell fordert. Schritt für Schritt kehren wir nun in unser „normales“ Leben zurück. Die Geschäfte werden geöffnet, der Schulbetrieb wird langsam gestartet, Restaurants und Kaffees können wieder aufgesucht werden. Wir spüren, dass es nicht mehr so sein wird, wie vor dem 16. März. Wir spüren, dass diese siebenwöchige Auszeit bei jedem von uns Spuren hinterlassen hat. Wir spüren die Veränderungen unter der Oberfläche unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Jetzt, da das Leben wieder Fahrt aufnimmt, ist ein guter Zeitpunkt für eine persönliche Bilanz. Welche Lehren ziehe ich aus dieser erzwungenen Auszeit? Was habe ich in dieser Ausnahmesituation über mich erfahren? Was möchte ich aus dieser Zeit mitnehmen?

1.) Ich brauche und liebe das Schreiben

Regelmäßig, mit unterschiedlich langen Pausen zwischen den Einträgen, schreibe ich in mein Tagebuch. Das Schreiben ist für mich eine Form die Ereignisse und den Stress des Tages abzubauen. Es gab Tage in diesen 7 Wochen, da war ich von den Ereignissen des Tages so erschlagen und manchmal ratlos, dass ich mitten in der Nacht aufgestanden bin. Ich habe mein Tagebuch zur Hand genommen und geschrieben. Einfach nur Schreiben hat mir geholfen Druck abzubauen und wieder klarer zu sehen.  Das Schreiben hat mir geholfen, meine Gedanken zu zähmen und zu ordnen. Es hat mir geholfen, das eigene Gedankenkarussell zu unterbrechen und aus der Abwärtsspirale der negativen Gedanke auszubrechen. Danach bin ich wieder zu Bett gegangen und konnte weiterschlafen.

2.) Meine Familie ist mein Ankerplatz, mein sicherer Hafen

In den letzten 7 Wochen war unsere jüngste Tochter, die sonst in Wien lebt, wieder zu Hause und unser Sohn kam öfter vorbei. Meine Frau verbrachte 2 Tage die Woche im Homeoffice. Ich habe den Großteil der Zeit von zu Hause gearbeitet. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, bei gemeinsamen Spaziergängen gab es lange Gespräche, wir waren öfter Laufen, haben gemeinsam gekocht, gegessen und geplaudert. Für mich war dieses Umfeld mein Ankerplatz und sicherer Hafen. Ich habe diesen Austausch mehr denn je zu schätzen gelernt. Ich habe die Unsicherheit der äußeren Rahmenbedingungen durch Stabilität in meinem unmittelbaren Umfeld kompensieren können. Ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Umfeld habe. Es ist für mich kaum vorstellbar, wie ich diese Zeit alleine zu Hause bewältigen hätte können. Ohne stabile soziale Kontakte ist das Leben ärmer und eine Krise kaum zu bewältigen.

3.) Es gibt keine Sicherheit im Negativen wie im Positiven

Was mich diese Krise noch gelehrt hat, ist, dass das Leben immer unsicher ist. Es gibt keine Sicherheiten. Ich muss mit dieser Gewissheit der Unsicherheit leben. Von einem Moment auf den anderen können sich die Lebensumstände radikal ändern. Das ist uns zwar allen bewusst, nur so richtig wahr haben wollen wir das meistens nicht. Jetzt haben wir diese Erfahrung gemacht. Was mir in diesem Zusammenhang aber auch klar geworden ist: Diese Erfahrung gilt im Positiven wie im Negativen. Keiner von uns kann die Zukunft voraussehen, sie ist im Negativen wie im Positiven offen und damit unsicher. Diese Erkenntnis hat mich während dieser Zeit gestützt und mir Hoffnung gegeben.

4.) Einfach Tun  – Weniger Denken

Die Erkenntnis, dass es keine Sicherheit gibt, hat mir auch dazu verholfen einfach zu tun und weniger zu denken. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, was morgen sein wird. Ich kann nicht alle Folgen meines Tuns bis ins letzte Detail vorausplanen. Ich kann alles „zerdenken“. Dann komme ich nicht ins Tun. Das Schreiben und das Tun haben eine ähnliche Funktion. Beides hilft Druck abzubauen und aus dem eigenen Gedankenkarussell auszubrechen.

Abschließen möchte ich mit einer sehr grundsätzlichen Erfahrung, die ich in diesen 7 Wochen gemacht habe.

5.) Ich liebe die Freiheit

Ich bin 1968 geboren. Ich bin in ein Österreich hineingewachsen, in dem es immer mehr Freiheit gegeben hat und konnte erleben, wie dieses Land immer offener und weiter wurde. Österreich wurde Teil der Europäischen Union. Die Grenzen in Europa sind gefallen, ich konnte ohne Pass nach Italien oder Slowenien fahren. Ich konnte meine Meinung frei äußern, ohne Gefahr zu laufen, aufgrund meiner Meinung benachteiligt zu werden. Ich konnte mich treffen mit wem und wann ich wollte.

Ich wurde in ein freies Land geboren. Meine Grund- und Freiheitsrechte sind in der Verfassung garantiert und schützen mich vor staatlicher Willkür. In den letzten 7 Wochen ist mir klar geworden, dass auch diese Freiheiten nicht selbstverständlich sind, dass sie von einem auf den anderen Tag entzogen werden können. Ich liebe diese Freiheiten, ich brauche diese Freiheiten zum Atmen und Leben. Ich will nicht in einem autoritären Überwachungsstaat sterben.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

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