Wie langfristiges Denken und simple Ziele deine Abwehrkräfte stärken

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Warum und wo smarte Ziele nicht funktionieren. Was simple Ziele von smarten Zielen unterscheidet. Wie langfristiges Denken und simple Ziele gegen Rückschläge helfen und deine Abwehrkräfte stärken.

Von Wolfgang Bretschko

In meinem Blogbeitrag über Motivation habe ich geschrieben, dass ein attraktives Langzeitziel hilft, Rückschläge zu verkraften und Durststrecken in Kauf zu nehmen. Wir alle sind es gewohnt mit Zielen zu arbeiten und uns Ziele zu setzen. Zielorientierung ist eine Tugend. Wir bewundern Menschen, die sich herausfordernde Ziele stecken, hart daran arbeiten und diese auch erreichen. In meiner Zeit als Manager habe ich viele Zielfindungsgespräche geführt, viele Zielvereinbarungen mit Mitarbeitern getroffen. Am Ende eines Jahres, oder nach Projektabschluss haben wir uns zusammengesetzt und die Zielerreichung evaluiert. Management by Objectives, das Vereinbaren möglichst smarter Ziele gehörte zu meinem Job und ich war überzeugt, dass Management und Führung so funktioniert.

Seit ich selbstständig bin habe ich den Eindruck, dass diese Management Tools, Management by Objectives, SMARTE Ziele, nur mehr bedingt funktionieren. Das Setzen von Zielen reicht nicht mehr aus, um mich zu motivieren und zum Handeln zu bringen. Ziele waren für mich früher handlungsleitend, sie haben mir Orientierung gegeben. Heute tun sie das nicht mehr. Warum?

Das Dilemma mit smarten Ziele

Management by Objectives wurde 1954 von Peter Drucker entwickelt. Dabei werden „SMARTE Ziele“ entwickelt, die folgenden Kriterien gerecht werden sollen:

  • S – spezifisch (konkrete Kriterien),
  • M – messbar (klare Vorgaben),
  • A – aktiv beeinflussbar (erreichbar, umsetzbar; auch: angemessen, attraktiv, akzeptiert oder anspruchsvoll),
  • R – relevant (motivierend, nachvollziehbar, realistisch, wichtig) und
  • T – terminiert (klares Zeitlimit).

Smarte Ziele funktionieren in einem klassischen Unternehmensumfeld, im Zusammenspiel zwischen Chef und Mitarbeitern sehr gut. Sie stoßen jedoch dort an ihre Grenzen, wenn genau dieses Umfeld nicht gegeben ist. Wenn es keinen Chef und keine Mitarbeiter gibt, die Ziele in einem Gesprächs- und Verhandlungsprozess vereinbaren und deren Erfüllung laufend beobachten bzw. einfordern.

Mein eigener Chef sein

Ich möchte mein eigener Chef sein, ist einer der wesentlichen Gründe für die Selbstständigkeit. Der eigene Chef zu sein bedeutet, dass ich mit mir selbst meine Ziele vereinbare und sie auch laufend evaluieren sollte. Meine Erfahrung ist, dass das so nicht funktioniert.

Erstens treffe ich in aller Regel mit mir selbst keine schriftliche Zielvereinbarung, die smart genug ist. Zweitens fällt auch die Evaluierung durch den Rost, insbesondere dann, wenn ich meine selbstgesteckten Ziele nicht erreiche. Entweder sehe ich gnädig darüber hinweg oder mein innerer Kritiker macht mich fertig. Was selten stattfindet ist ein qualifizierter Dialog über das Ziel und den Zielerreichungsgrad.

Die Situation ist einfach eine andere. Ich bin derjenige, der das Ziel setzt und auch derjenige der die Aufgaben erledigt. Ich bin mein Chef und mein wichtigster Mitarbeiter zugleich. Vielleicht überschätzte ich meine Fähigkeiten, suche und bekomme weniger Feedback, kümmere mich nicht im Detail und um die Einzelheiten des smarten Ziels. Das ist meines Erachtens auch der Grund dafür, warum die meisten Neujahrsvorsätze scheitern. Sie sind nicht smart genug, weil sie nicht das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses sind.

Schlussfolgerung 1:
SMARTE Ziele funktionieren gut im klassischen unternehmerischen Umfeld.
Sie funktionieren weniger gut bis gar nicht in der Selbständigkeit oder im privaten Umfeld, wenn ich sie mit mir selbst vereinbare.

Langfristiges Denken ist das Fundament

Vor diesem Hintergrund stelle ich mir die Frage, wie führe ich mich selbst, wenn smarte Ziele kein wirklicher Weg sind? Wie funktioniert Selbst-Führung in der Selbstständigkeit?

Ziele sind kein Selbstzweck. Sie brauchen ein Fundament. Langfristiges Denken, eine langfristige Vision können ein derartiges Fundament bilden. Das klingt gerade vor dem Hintergrund einer Welt die immer unüberschaubarer, undurchschaubar und unsicherer wird paradox. Wenn eine Pandemie alle Gewissheiten von heute auf morgen in Frage stellt, ist es schwierig, über den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat oder das nächste Jahr hinaus zu denken. Und dennoch in unsicheren Zeiten ist es ratsam, langfristig zu denken.

Langfristiges Denken wird oft massiv unterschätzt. Das hängt auch damit zusammen, dass wir exponentielle Entwicklungen in der Tendenz unterschätzen. Gerade im Geschäftsleben zahlt sich langfristiges Denken besonders aus.

Jeff Bezos sagte in einem Wired Interview: „Wenn alles, was Sie tun, über einen Zeithorizont von drei Jahren funktionieren muss, dann treten Sie gegen eine Menge Leute an. Aber wenn Sie bereit sind, über einen Zeithorizont von sieben Jahren zu investieren, dann konkurrieren Sie mit einem Bruchteil dieser Leute, denn nur sehr wenige Unternehmen sind bereit, das zu tun.“ (zitiert nach Thomas Oppong / siehe Ressourcen)

Wer denkt heute noch in Zeiträumen von 3, 5 oder 7 Jahren. Gerade ein derartiger Zeithorizont kann den Unterschied machen. Wir lassen uns all zu leicht von kurzfristigen Erfolgen verleiten. Meistens sind es Versprechungen, die uns blenden. Wir sind Meister, wenn es darum geht kurz- oder mittelfristig zu optimieren. Eine bessere Strategie ist es, kurzfristige Schritte mit dem Fokus auf die langfristigen Ziele zu unternehmen.

Wie wirst du in drei Jahre über die aktuelle Pandemie denken?
Wo wirst bzw. willst du in 5 Jahren stehen?
Was wirst du alles in 5 Jahren bewältigt haben?

Die Fragen nach dem Warum

Diese Fragen führen mich zu meinen Warum. Ich habe festgestellt, dass mir Frage, „warum tue das alles“ hilft, Rückschläge besser zu verkraften und Durststrecken in Kauf zu nehmen. Die Frage nach dem Warum führt mich weg von den aktuellen Problemen, hin zu der Zukunft, die ich anstrebe, hin zu dem Leben, das ich gerne führen möchte. Das erweitert meinen Horizont und löst die Fixierung auf die Probleme im Hier und Jetzt. Einen langfristigen Ansatz im Leben zu verfolgen, ist nicht einfach, aber es zahlt sich aus.

Wenn ich in die Berge wandern gehe, packe ich jedes Mal eine Regenjacke ein. Öfter habe ich mich schon gefragt, warum ich sie immer mitnehme? Solange das Wetter schön ist, brauche ich sie nicht. Kommt ein Gewitter auf und es regnet in Strömen, bin ich froh dass ich die Jacke dabei habe. Wenn du dich auf den Weg in die Selbstständigkeit machst oder du deinen nächsten Gipfel erklimmen willst, achte darauf, dass dein Rucksack mit einer „Portion Warum“ gefüllt ist.

Um dein Warum zu erarbeiten oder zu aktualisieren, reicht ein zeitliches Investment von 1 bis 1 1/2 Stunden. In dieser Zeit kannst du deine Lebens- und Arbeitssicht erarbeiten und in einer Reflexionsschleife vertiefen. Die Übung stammt von Bill Burnett und Daves Adams und führt dich zu deinem Warum. In Anhang bei den Ressourcen findest du ein  Arbeitsblatt dazu zum Herunterladen.

Schlussfolgerung 2:
DEIN WARUM verhilft dir zu langfristigem Denken und schützt dich davor nass zu werden.
Du löst dich von den Problemen und Herausforderungen des Hier und Jetzt und bleibst handlungsfähig.

Ganz ohne Ziele geht es nicht

Ziele zu setzen ist Teil der menschlichen Natur. Auf sie zu verzichten ist keine Lösung. Ohne Ziele laufen wir Gefahr von den Ereignissen des Tages mitgerissen zu werden. Ziele helfen, dem eigenen Handeln eine Richtung zu geben, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten festzulegen. Wie sooft im Leben kommt es auf das Wie an.

Müssen Ziele smart sein, damit sie handlungsleitend sind?

Nein das müssen Sie nicht. Wenn ich mir selbst Ziele setze, sei es für mein Privatleben, für meinen Job oder mein Unternehmen, dann sollten die Ziele vor allem simpel sein. Simple Ziele sind für mich Ziele, die ich in einem einem oder zwei Sätzen klar formulieren und zu Papier bringen kann. Ich definiere ein Ergebnis, einen erwünschten Sollzustand und setze mir einen zeitlichen Rahmen. Simple Ziele animieren und motivieren mich zum Handeln ohne mich einzuengen. Simple Ziele  sind offen für Änderungen am Weg, sie sollen Chancen eröffnen.

Die Basis, das Fundament ist meine langfristige Vision, mein Warum. Sobald ich das Ziel formuliert habe begebe ich mich auf den Weg. Ich suche jene Aufgaben und Aktivitäten die mich meinem Ziel näher bringen. Dieses Suchen nach Aufgaben und Aktivitäten gleicht einer Entdeckungsreise. Mir gefällt dafür der Begriff „Launch and Learn“ sehr gut. Einfach ausprobieren und dabei lernen was funktioniert. Dabei kann ich mich selber besser kennenlernen, kann erfahren was mir persönlich liegt und was mir leicht fällt.

Simple Ziele sind prozessorientiert, sie sollen dir helfen ins Tun zu kommen. Sobald du herausgefunden hast was funktioniert, bleib dran und entwickle daraus eine Routine.

Kurz und bündig:

  • Smarte Ziele funktionieren nicht, wenn du sie mir dir selbst vereinbarst
  • Langfristiges Denken stärkt dein Tun im Hier und Jetzt
  • Keep it simple: Ganz ohne Ziele geht es nicht

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Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

Vieles wurde schon gedacht und gesagt. Hier findest du die Quellen und Ressourcen die mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert haben:

Ressourcen:
How To Practice Long-Term Thinking When You Can Barely See Past Tomorrow
https://medium.com/personal-growth/how-to-practice-long-term-thinking-when-you-can-barely-see-past-tomorrow-a5f68540aa8a

You Will Never Achieve Your SMART Goals
https://medium.com/i-human/you-will-never-achieve-your-smart-goals-3553686551e4

 

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