Jetzt habe ich mal überlebt

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Jetzt habe ich mal überlebt – Meine Gedanken zum 1. Halbjahr 2020

von Wolfgang Bretschko

Das erste Halbjahr ist um. Ich habe mir gedacht, das ist ein guter Anlass, um so etwas wie eine Halbjahresbilanz zu ziehen. Und aus dieser Halbjahresbilanz heraus dann Erkenntnisse und Learnings, für das zweite Halbjahr zu destillieren. Während meine Gedanken um das erste Halbjahr kreisten kam mir abrupt der Titel für diesen Blog-Beitrag in den Sinn: Jetzt habe ich mal überlebt. „Klingt das vielleicht etwas zu theatralisch?“, fragte ich mich? Mein zweiter Gedanke war: „Nein vielleicht doch nicht!“

Das Überleben, die Krise hatte drei Dimensionen für mich

  • eine körperliche
  • eine emotionale und
  • eine wirtschaftliche

1.) Die körperliche Dimension des Überlebens.

Ein Virus hat die Welt fest im Griff. Es ist ein wenig in den Hintergrund getreten, aber es ist immer noch da, es ist nicht auf Urlaub. Tausende Menschen sind daran weltweit gestorben und werden daran wahrscheinlich noch sterben. Rein rational weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit daran zu sterben verschwindend gering ist. Ich bin zwar nicht der jüngste, aber zur Risikogruppe zähle ich mich nicht.  Dennoch bleibt so etwas wie eine „Rest-Angst“ zurück. Ein leicht mulmiges Gefühl, wenn ich in die Straßenbahn einsteige. Ich fahre aktuell wieder mit dem Auto nach Wien. Ja, der Flixbus fährt zur Zeit nicht von Graz nach Wien. Die Wahrheit ist, das ist mir gar nicht so unrecht.

2.) Die emotionale Dimension des Überlebens.

Den Lockdown und die Folgen musste ich auch emotional verarbeiten und verkraften. Mich hat das Virus in mehrfacher Hinsicht am linken Fuß erwischt. Wir mussten unser Geschäft zusperren.  Meine Business Pläne sahen das nicht vor, im Gegenteil sie waren auf Wachstum ausgerichtet und ich musste realisieren, dass ich für ein, zwei oder gar drei Monate keinen Umsatz machen werde. Plötzlich waren Existenzängste da, die ich bis dahin nicht kannte.

Ich habe gelernt wie wichtig es ist ein soziales Umfeld zu haben, das mich unterstützt, auf das ich mich verlassen kann. Meine Frau, meine Kinder und ein paar wenige Freunde haben gereicht, um mir die notwendige emotionale Stabilität zu geben. Meine Ängste waren deswegen nicht weg, aber ich konnte mit ihnen umgehen, ich konnte sie bearbeiten und so für mich ertragbar und tragbar machen.

Der Lockdown hatte auch positive emotionale Neben-Effekte. Der Druck des operativen Tagesgeschäfts war plötzlich weg. Ich hatte Zeit, um wieder fast jeden zweiten Tag laufen zu gehen. Irgendwie ist in mir auch die Erkenntnis gereift, dass sich die Situation jetzt einmal so nehmen muss wie sie ist, dass ich sie akzeptieren muss und dass ich an dieser Situation, den äußeren Rahmenbedingungen aktuell nichts ändern kann. Das war befreiend. Was blieb war ein unbestimmtes Gefühl von Unsicherheit. Wie wird es weitergehen?

3.) Die wirtschaftliche Dimension der Krise.

Last but not least, diese Krise musste ich auch wirtschaftlich verdauen. Wer sein Geschäft wie ich auf Wachstum ausgerichtet hat und bis jetzt keine Rücklagen bilden konnte, den hat diese Krise am linken Fuß erwischt. Zu Beginn sah es so aus, dass ich durch alle Hilfspakete durchfalle und mit Ende April war ich diesbezüglich mit meinem Latein am Ende. Ich bin dran geblieben und habe nicht aufgegeben. Dieses Dranbleiben und nicht Aufgeben hat sich ausgezahlt.

In schwierigen Phasen helfen mir immer wieder scheinbar banale Sprüche weiter, die sich für mich dann zu einem Leitmotiv meines Handelns herauskristallisieren und die ich mir dann sehr oft in Erinnerung rufe.

In der Phase des Lockdowns habe ich mir zwei Sprüche zu eigen gemacht. „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Wenn eine Situation ausweglos erscheint, macht es Sinn einen Schritt zurückzutreten. Eine Cooling-Off Periode einzulegen, um Abstand zu gewinnen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Es hilft oft einfach eine Nacht darüber zu schlafen und die Situation am nächsten Tag mit einem frischen Blick anzusehen und zu bewerten. Der zweite Spruch, der zu einem Leitmotiv wurde: „Wenn du glaubst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Lichtlein (ein Hilfspaket) her.“ In meinem Fall der Fixkostenzuschuss. Zu Beginn der Krise wusste ich noch nicht was es an Hilfspaketen geben würde. Meine erste Reaktion auf den Fixkostenzuschuss war skeptisch. Da falle ich sicher wieder durch, da gibt es sicher wieder ein paar Bedingungen im Kleingedruckten, die sich für mich und meine Situation zu Fallstricken entwickeln. Tatsächlich war es dann ganz anders. Den Antrag habe ich an einem Vormittag fertiggestellt, am nächsten Tag mit meinem Steuerberater eingebracht. Drei Tage später war er genehmigt und weitere drei Tage später war das Geld am Firmenkonto. Wenn du glaubst es geht nicht mehr…………

Diese Krise ist noch lange nicht vorbei. Ich weiß nicht wie es weitergehen wird. Ich weiß nicht, ob eine zweite Welle kommen wird. Ich weiß auch nicht was sich an Chancen, oder vielleicht auch an zusätzlichen Hilfspaketen, auftun werden. Ich habe gelernt mich auf mich und auf das Leben zu verlassen. Es wird  weitergehen solange ich lebe,. Es werden sich neue Türen auftun. Es gibt immer wieder neue Optionen. Vieles ist eine Frage des Denkens.

Von John Lennon stammt die Aussage (Lied „Beautiful Boy (Darling Boy)“:

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Ich wette, niemand von uns hat zu Beginn des Jahres, die Möglichkeit eines 2 bis 3 Monate langen Lockdowns eingeplant gehabt. Die wirklich wichtigen Ereignisse unseres Lebens sind nicht geplant, sie passieren. Planung ist wichtig. Ziele sind wichtig, damit unser Handeln eine Richtung bekommt. Wichtig ist, dass wir trotz Planung offen bleiben und wir uns durch unsere Ziele nicht daran hindern lassen im Hier und Jetzt zu leben.

Ein guter Freund hat auf meine Frage, was er in dieser Zeit des Lockdowns gelernt hat geantwortet. „Mehr im Hier und Jetzt zu leben und zu handeln.“

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

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