Ich will das Undenkbare tun und aus alten Denkmustern ausbrechen

1080 533 Wolfgang (Cocoquadrat)

Ich will das Undenkbare tun und aus alten Denkmustern ausbrechen

Interview mit Philipp Oberlohr geführt von Lucia Laggner

Kurzbeschreibung zur Person:
Philipp Oberlohr
Illusionist, Workshop Leiter, Ex-Theologe, Querdenker.
www.philippoberlohr.com

Lucia Laggner: Wenn man im Netz nach dir sucht, dann trifft man recht schnell auf die Berufsbezeichnung Illusionist. Was ist ein Illusionist?

Philipp Oberlohr: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man in eine Schublade rein muss (lacht). Was mir am Begriff Illusionist gefällt, ist, dass er poetischer ist als Zauberer. Und es ist auch so ein 70er Jahre Begriff, der recht verstaubt ist. Und ich finde es ganz nett ihn zu nehmen und in die Gegenwart zu bringen. Ich habe die Bezeichnung gewählt, weil sie Bilder aufwirft, aber auch offen lässt. Es wäre natürlich auch eine Idee, einen richtig straighten Werbeaufrtitt zu haben und dann zu sagen, ich bin Zauberer. Das wäre ein schöner Bruch, aber da traue ich mich noch nicht hin (lacht).

Wie gestaltet sich dein Alltag. Wie kann man sich das Leben eines Illusionisten vorstellen?

Philipp Oberlohr: Sehr glamourös. Ich wache auf, füttere die Tiger und die Tauben (lacht), (denkt nach). Eigentlich ist es viel administrative Arbeit, der ich aktuell nachgehe. Bisher habe ich mich intensiv darauf konzentriert, Shows zu entwickeln und diese zu produzieren. Dann ist eine fette Rechnung von der SVA hereingeflattert und ich hab mir gedacht, jetzt ist es an der Zeit, mich auf den Businessaspekt zu konzentrieren und die Arbeit, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, auch gut nach außen zu tragen. Dementsprechend viel Admin.

Du bist also gerade dabei P.R. und Sales für dich selbst zu machen?

Philipp Oberlohr: Ich plane eine Österreichtourne. Das ist insofern lässig, als es in Österreich wenig Vergleichbares und von Seiten der Veranstalter Interesse gibt. Allerdings versuche ich auch ganz bewusst, sie auf eine alternative Art und Weise zu erreichen, indem ich ihnen etwa einen Brief per Post mit einer handgeschriebenen Nachricht schicke. Die Herausforderung besteht dann darin, den Veranstaltern klar zu machen, worum es überhaupt geht, da das Format eben eher unbekannt ist.

Wie bist du auf das Cocoquadrat gestoßen und was ist dieser Ort für dich?

Philipp Oberlohr: Ich bin mit meiner Frau 2015 von London nach Wien gezogen und unser Sohn ist drei Monate später zur Welt gekommen. Ich war also unter anderem damit konfrontiert, dass in unserer Wohnung sehr viel los war. Ich selbst brauche allerdings beim Arbeiten viel Ruhe und habe damals zufälligerweise in der Bezirkszeitung davon erfahren, dass gleich ums Eck das Cocoquadrat eröffnet hat.

Ein großes Argument war für mich sofort, dass ich den Space flexibel nutzen kann, da es Wochen gibt, in denen ich fast täglich da bin und Wochen, in denen ich nicht einmal in Wien bin.

Darüber hinaus schätze ich auch, dass es hier eine Form von Gemeinschaft gibt und man recht selbstverständlich mit Menschen in Kontakt kommen kann.

Dadurch, dass ich sonst fast nur alleine arbeite, ist dieses Gefühl von Gemeinschaft sehr angenehm für mich. Ich bin gerne unter Menschen  und schätze die Arbeit nebeneinander.

Auf deiner Homepage findet man ein Workshop Angebot für Unternehmen. Kannst du uns mehr davon erzählen?

Philipp Oberlohr: Prinzipiell interessieren mich ähnliche Phänomene in unterschiedlichen Formaten. Das verknüpft meine Shows mit den Workshops. Das Workshop Konzept trägt den Titel „Das Undenkbare Tun“ und zielt darauf ab, es zu schaffen, aus alten Denkmustern zu neuen zu gelangen. Ein Beispiel: Wenn ich in meiner Arbeit mit einer guten Regisseurin oder einem Regisseur zusammenarbeite, dann kann ich in einen Fluss kommen, der mir dabei hilft, in einer Leichtigkeit an Orte zu kommen, vor denen ich vorher Angst gehabt habe. Und diesen Zustand finde ich sehr, sehr schön. In diesem Zustand traue ich mich, neue Dinge auszuprobieren, entdecke Dinge, die vorher nicht sichtbar waren. Während dieses Prozesses habe ich keine Angst zu scheitern und sollte ich scheitern, kann ich das als Teil von mir sehen. Mit diesen Zuständen und Prozessen arbeite ich in den Workshops. Aktuell bin ich viel in der Wirtschaft unterwegs, unlängst zum Thema „Customer Relationship Management“. In diesem Fall habe ich etwas zum Thema (Kunden-) Beziehung gemacht.

Foto: Sabine Hödl

Was machst du, wenn du nicht arbeitest oder verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit in deinem Leben?

Philipp Oberlohr: Das ist vermutlich einer der Gründe, warum ich gerne hier (Anm. im Cocoquadrat) bin, denn dann weiß ich, das ist ein klarer Raum, um zu arbeiten.

Cocoquadrat, mein Ort zum Arbeiten – damit Arbeit und Freizeit nicht verschwimmen.

So definiere ich die Grenzen, gerade da ich auch weiß, dass ich sie sonst gerne nicht einhalte. Wenn ich nicht arbeite, verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Generell ist es allerdings so, dass ich gerne und daher auch viel arbeite. Ich würde also sagen, dass meine zwei Schwerpunkte meine Familie und meine Arbeit sind. Vor zwei Monaten habe ich ein spannendes Seminar zum Thema „Ein richtig gutes Leben“ gemacht und mir ist aufgefallen, dass es durchaus ein Ungleichgewicht in meinem Leben gibt. Es war für mich auch schon alleine schwer zu einem dreitägigen Seminar zu fahren und zu wissen, dass es dabei weder um Arbeit noch um Familie, sondern nur um mich geht.

Ich denke, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema „Ein richtig gutes Leben“, noch mehr Aufmerksamkeit braucht.

Das Interview wurde geführt von:  Lucia Laggner

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Unternehmerin & Feldenkrais Practitionerin in Ausbildung
Gründerin von G’schickter Wein – die Onlinevinothek für Österreichischen Wein
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