Gebrauchsanweisung für den Umgang mit Ratgebern

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In diesem Blogbeitrag erfährst du,

– warum Vergleiche frustrieren

– warum es keine Abkürzung zum Erfolg gibt und kein Patentrezept für dein Leben

– warum es immer auf dich ankommt

von Wolfgang Bretschko

 

Meine persönliche Gebrauchsanweisung für den Umgang mit Ratgebern

Blitzlicht #1: Vor kurzem war ich bei einer Gründerveranstaltung und habe eine Präsentation von Ali Mahlodji gehört, dem Gründer von Watchado. Es war eine geballte Ladung an Inspiration und Motivation. Er hat seine Lebensgeschichte in einen packenden Vortrag gegossen. Es gab jede Menge Lebensweisheiten, Ratschläge und Erfahrungen.

Blitzlicht #2: Ein Kommentar auf meinen letztenBlogbeitrag lautete: „Ich glaube lieber Wolfgang, dass das für dich gute Erkenntnisse sind. Verallgemeinern lassen sie sich allerdings nur schwer“

Blitzlicht #3: Im Rahmen unseres letzten Gewinnspieles, bei dem es das Buch vom Marc Manson, „Die subtile Kunst des drauf Scheissens“ zu gewinnen  gab, haben wir zu einer Diskussion rund um den Nutzen und den Wert der Ratgeberliteratur aufgerufen.

Als Reflexion und Reaktion auf diese drei Blitzlichter möchte ich heute darauf eingehen, wie ich solche Ratgeber und Ratschläge nutze. Welche Wirkung entfalten sie bei mir? Wie geht es mir, wenn ich einen Vortrag höre, einen Podcast verfolge oder ein Ratgeberbuch lese?

Als ich den Vortrag von Ali hörte war ich einerseits inspiriert und motiviert. Gleichzeitig machte sich ein ungutes Gefühl in meiner Magengegend bemerkbar. Es war eine gewisse Unruhe die ich spürte. Was war los mit mir?  Ich stellte mir ein paar Fragen: Warum bin ich nicht so? Warum funktioniere ich nicht so? Unterschwellig spielt vielleicht auch ein wenig Neid mit, Neid selbst nicht so locker auf der Bühne zu stehen und mit Witz und Humor über das eigene Leben zu erzählen. Neben der motivierenden und inspirierenden Wirkung macht sich oft auch ein Defizitgefühl bemerkbar, weil ich unwillkürlich meine aktuelle Situation mit seiner zu vergleichen beginne. Ich vergleiche mich mit ihm.

Von früh an werden wir bewertet und setzen uns selbst in Bezug zu anderen. Die gesamte Schulzeit über wird auf unsere Defizite fokussiert. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Fehlern, die wir machen, 6 Rechtschreibfehler, 2 Grammatikfehler, drei Punkte Abzug bei der Lösung der Mathematikaufgabe. Selten heißt es, super 16 richtige Antworten von 20. Meistens heißt es 4 falsche Antworten bzw. Fehler.

Wir werden mit unseren Klassenkameraden verglichen. Es wird uns vermittelt, dass wir Vorbilder brauchen. Wir orientieren uns immer nach oben. Später nennen wir das Benchmarking. Daraus entsteht ein permanenter Druck zur Selbstoptimierung. Mein aktuelles Selbst ist offenbar nicht gut genug, es muss verbessert werden.

Learning #1:
Vergleiche dich nicht!
In aller Regel vergleichen wir immer Äpfel mit Birnen.

Ich lasse mich von solchen Vorträgen gerne inspirieren und motivieren. Gleichzeitig sollte ich mir auch der Gefahr bewusst sein, mich mit dem Vortragenden zu vergleichen. Ein Vergleich mit mir selbst fällt oft zu meinen Ungunsten aus, denn ich vergleiche die oberflächliche Sicht einer „Marketing- und Selbstvermarktungspräsentation“ mit der Tiefensicht auf mich selbst. Oft bin ich mir gegenüber kritischer als anderen gegenüber, weil ich mich in aller Regel auch deutlich besser kenne. Daher hole ich mir aus den Vorträgen das heraus was zur mir und meiner aktuellen Situation passt. Ich bin mir der Gefahr bewusst in eine negative Bewertungsschleife zu geraten.

Lassen sich solche Erkenntnisse bzw. Learnings verallgemeinern?

Obwohl diese Frage dazu verleitet, lässt sie sich nicht mit einem simplen Ja oder Nein beantworten. Hinter dem Wunsch nach Verallgemeinerung, steckt oft die Sehnsucht noch einem Rezept bzw. einer Patentlösung für meine aktuelle Situation. Eine allgemein gültige Lösung insbesondere mit Erfolgsgarantie, gibt es nicht. Jeder von uns  hat eine einzigartige Lebensgeschichte. Meine bisherigen Erfahrungen prägen die Art und Weise, wie ich die Welt heute wahrnehme, wie und was ich als Problem sehe und wie ich eine Herausforderung angehe. Keine zwei Menschen sind vollkommen gleich. Ich kann mich von anderen inspirieren und motivieren lassen. Was für mich erfolgversprechend ist, muss ich selbst testen und herausfinden. Dabei kann ich auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen, es gibt aber keine Garantie, dass es auch bei mir so funktioniert.

Learning #2:
Es gibt kein Patentrezept für mein Leben.
Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg.

Aber es gibt Erfahrungen und Vorbilder auf denen ich aufbauen kann. Ich kann erfolgreiche Strategien für mich anwenden und auf mich und meine Situation zuschneidern bzw. adaptieren. Das tue ich so lange, bis ich den für mich passenden Weg gefunden habe, bis es sich für mich gut anfühlt. Das ist ein Prozess, der sich lohnt. Und das Schöne daran ist, dass unser Hirn ständig bereit ist Neues zu erlernen, neue Wege zu gehen. Neue Erfahrungen, insbesondere dann, wenn sie positiv sind, lassen alte Erfahrungen in einem anderen, neuen Licht erscheinen oder in den Hintergrund treten, wenn sie nicht mehr zielführend und nützlich sind.

Darin liegt für mich der Nutzen und Wert der Ratgeberliteratur. Für mich ist sie ein Werkzeugkasten, eine Toolbox. Ich entscheide, welches Werkzeug ich gerade verwenden möchte.

Ich entscheide wie ich das Werkzeug einsetzen möchte.

Learning #3:
Die Entscheidung liegt bei mir.
Es kommt immer darauf an, was ich daraus mache.

Ich bin für mich verantwortlich und muss herausfinden, was für mich funktioniert, wobei ich mich wohl fühle. Dabei kann ich auf Erfahrungen und Anregungen anderer zurückgreifen. In der Anwendung des Wissen und der Erfahrungen liegt die Herausforderung und schlussendlich die Erkenntnis.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entreprenuer

 

Titelbild: Mohamed Hassan / Pixabay