Fünf Gründe warum Coworking das bessere Homeoffice ist

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Wann immer ich im letzten Jahr FreundInnen getroffen habe, die bei Enterprises im Banken- oder Telekommunikationssektor arbeiten, ist mir aufgefallen, dass Homeoffice nicht mehr nur in der Theorie Erwähnung findet, sondern tatsächlich von großen Unternehmen angeboten wird. Die meisten von meinen FreundInnen nutzen das Homeoffice gar nicht. Ich selbst habe als Selbstständige fast ein Jahr ausschließlich von zu Hause gearbeitet und weiß, warum ich das so schnell nicht wieder tun würde. Mir sind fünf Gründe klar geworden, die zum Teil auch für meine FreundInnen relevant sein könnten. 

Ablenkung

Es ist die oft zitierte, von Selbstständigen wie das Amen im Gebet gepredigte Ablenkung, die einem nicht nur die Zeit, sondern vor allem die Aufmerksamkeit frisst. Wer in der Früh das Haus verlässt, ohne den Geschirrspüler ausgeräumt zu haben, hat nicht nur Glück, sondern es im selben Moment auch schon wieder vergessen. Glück, weil er das Haus verlässt und sich der Tätigkeit des Geschirrausräumens mit weniger Hirnpotential als in den produktiven Morgenstunden, auch am Abend widmen kann. Nicht so der Zuhausgebliebene. Ihm fallen ständig neue Dinge ein, die man im Haushalt tunlichst erledigen sollte. Denn der Umkehrschluss des Sprichworts „Aus den Augen, aus dem Sinn“ quält den Homeoffice-Schützen. So schwinden die Stunden und die Energie im Kampf gegen die Versuchung, doch noch schnell die Wäsche aufzuhängen.

Finanzierung

Als ich ein Jahr meiner Selbstständigkeit zu Hause verbracht habe, war das in der Annahme, Geld zu sparen oder – und soviel ist auch geglückt – kein Geld für einen externen Arbeitsplatz ausgeben zu wollen und – vermeintlich – zu können.

Heute denke ich, dass ich mir viel Selbstzweifel erspart hätte, wäre ich schon früher in eine Umgebung eingetaucht, wo mir unwillkürlich Gleichgesinnte begegnen.

Es hat tatsächlich Vorteile, Geld für einen externen Arbeitsplatz in die Hand zunehmen. Denn diese Investition ist erstens – in meinen Augen – goldrichtig angelegt und zweitens spornt sie an, ziel- und ergebnisorientierter an den eigenen Projekten zu arbeiten. Schließlich muss das Geld auch wieder eingenommen werden. Und das Gute ist, aus fast jedem Kontakt, jedem Job, entstehen neue Kontakte und neue Jobs.

Begegnungen

Zu Hause konnte ich nach einiger Zeit nicht mehr wirklich sagen, was ich weiterbekommen hatte und wonach ich in nächster Zeit streben wollte. Weniger fehlte mir der sprachliche Austausch – denn diesen konnte ich durch Meetings und Treffen mit Kollegen und FreundInnen nachholen -, vielmehr war es die Stille Anwesenheit anderer arbeitender Menschen.

Aufgefallen ist mir das, als ich begonnen habe in einem Coworkingpace zu arbeiten. Es erinnerte mich unmittelbar an Bibliotheken während dem Studium, an Lerngruppen aus der Schulzeit. Nicht immer musste man sich austauschen, oft ging es nur um die Anwesenheit des Anderen.

Mehr noch als die Anwesenheit dienen mir die Begegnungen mit anderen als Spiegel.

Wie weit bin ich im Vergleich zu einer anderen Person? Kann ich ihr nach einer Woche bei einem Cafe schon Neues erzählen. Es entstehen SparringpartnerInnen, die zwar kaum etwas von meinem Business verstehen, aber deren erwartungsvolles „und …wie läufts so, …bist du fertig geworden, …ist das Produkt gelauncht“ – anspornt.

Professionalisierung 

Auch in der Selbstständigkeit sollte man das Gefühl erlangen, in einer professionellen Umgebung zu arbeiten. Es ist anregend und formt das Selbstbewusstsein. Sich dessen bewusst zu sein, dass man gerade arbeitet, gearbeitet hat, heute viel weiter gebracht hat, wird deutlicher, wenn man nach einem Tag sein „Büro“ verlässt. Genau zu diesem Ort wird der Coworkingspace. Ein Büro, dass man mit anderen teilt, das sehr unterschiedlich genutzt wird, aber jedenfalls als Ort des produktiven und professionellen Arbeitens und Lebens wahrgenommen wird.

Dieses kollektive Bewusstsein stärkt und schafft Klarheit über die eigene Arbeits-Persona.

Wesentlich schwieriger fällt es, in den eigenen vier Wänden vom schlafenden, auf dem Sofa abhängenden Ich, zum Produktivitäts-Ich zu wechseln.

Nach Hause kommen

Wer hart und viel arbeitet und gerade diejenigen, die ihre Arbeit selbstständig einteilen, sollten auch abschalten. Wenn der Schreibtisch einem schon vom Bett aus mit Arbeit zuwinkt, fällt abschalten im wahrsten Sinne von früh bis spät schwer. Außerdem hat es eine große Qualität, die Arbeit mal hinter sich zu lassen und nach Hause zu kommen.

Den Schlüssel ins Schloss stecken, die Türe öffnen, die Tasche ins Eck stellen und sich privat fühlen.

Für mich war und ist das der triftigste Grund. Denn wenn ich glücklich und zufrieden nach Hause kommen und abschalten kann, kann ich am nächsten Tag wieder voller Motivation in den Coworkingspace fahren.

Fazit: In der Selbstständigkeit ist der Coworkingspace der ideale Ort, um den Rahmen der eigenen Arbeit zu definieren, sich auszutauschen und Teil eines kollektiven, motivierenden Arbeitsklima zu sein. Es gibt viele Gründe, warum sich das Phänomen Coworkinspace ausbreitet. Jedenfalls steht es in nachweisbarem Zusammenhang mit der wachsenden Anzahl an Gründungen und selbstständig arbeitenden Menschen.

Auch Angestellte, denen angeboten wird, zeitweise außerhalb des Unternehmensstandortes zu arbeiten, können in einem Coworkingpace dieses Klima, das von kleiner strukturierten und wendigeren Projekten und Unternehmen ausgeht, aufsaugen.

Sie können in einer professionellen Umgebung, mit verändertem Blick auf ihre momentane Arbeit schauen und müssen sich nicht in den eigenen vier Wänden einrichten. Darüber hinaus ist es in einem Coworkingspace, auf neutralem Boden möglich, auch im Team, mit mehreren KollegInnen des Unternehmens einen Tag off zu nehmen und von einem anderen Ort aus zu arbeiten. Es gilt also zu hoffen, dass in Zukunft immer mehr Unternehmen ihren MitarbeiterInnen anbieten, ihren Arbeitsplatz zeitweise in einen Coworkingspace auszulagern.

 

Lucia Laggner ist Marketingmanegerin bei COCOQUADRAT. Sie hat ihr eigenes Unternehmen – G’schickter Wein  – aufgebaut und schreibt. lucia.laggner@cocoquadrat.com

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