Warum einfach ins Tun kommen nicht reicht, um schwierige Situation und Herausforderungen zu bewältigen

Einfach ins Tun kommen reicht nicht
1080 567 Wolfgang (Cocoquadrat)

Wie der Drang zur ständigen Selbstoptimierung und Produktivitätssteigerung zum Problem wird. Einfach ins Tun kommen reicht nicht. Worauf es in schwierigen Situationen zusätzlich ankommt.

Von Wolfgang Bretschko

Von Zeit zu Zeit schaue ich mir den Traffic auf unserem Blog an. Als ich letzte Woche einen Blick darauf warf, ist mir aufgefallen, dass ein Beitrag aus dem Jahr 2017, 4 Tipps, die dir helfen vom Denken ins Tun zu kommen, laufend Zugriffe erhält. Das Thema scheint nach wie vor aktuell zu sein, obwohl ich mittlerweile den Eindruck habe, dass einfach ins Tun kommen reicht nicht. Bei einer kurzen Recherche im Internet bin ich auf ein paar knackige Titel zu diesem Thema gestoßen:

  • 3 Unterschätzte Gewohnheiten, die helfen können, an einem Tag mehr zu erledigen als die meisten Menschen in einer Woche.
  • 5 Möglichkeiten, die zusätzlichen Stunden zu finden, die du benötigst, um deine Produktivität zu verzehnfachen.
  • 5 Tipps, um vom Denkmodus ins Handeln zu kommen.
  • Die 3 Bausteine der mühelosen Produktivität – Wie man jeden Tag hart arbeitet.

Wie geht es dir mit diesen Überschriften? Fühlst du dich von Ihnen angezogen? Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie mich derartige Überschriften in ihren Bann ziehen.

  • Was kann ich tun, um mehr Aufgaben in kürzerer Zeit erledigen?
  • Wie kann ich meine Aufgabenlisten optimieren und dabei immer effizienter werden?
  • Welche Gewohnheiten kann ich mir aneignen um noch härter arbeiten zu können?

Tun und Selbstoptimierung

In den letzten Jahren habe ich mich und meine Arbeitsweise ständig hinterfragt. Das Ziel dahinter? Selbstoptimierung. Dabei habe ich versucht schneller ins Tun zu kommen und habe diesem Tun vieles untergeordnet. Tun, tun, tun war mein Mantra, war das Zauberwort, um immer mehr in immer kürzerer Zeit unterzubringen.  Im Tun sah ich den Schlüssel zum Erfolg. Denn nur wer in Bewegung ist kommt voran, kommt seinen Zielen näher. Im Hintergrund schwang die Annahme mit, dass nur harte Arbeit zum Erfolg führt. Wenn ich genug tue, werden ich erfolgreich sein. Es hängt von mir ab, wie erfolgreich ich sein werde, wenn ich nur hart genug arbeite.

Corona und der Stillstand

Dann kam Corona und mein Drang zum Tun wurde jäh unterbrochen. Und plötzlich herrschte Stillstand, Vollbremsung, Lockdown. Zu Hause zu sitzen und zum vermeintlichen nichts tun verdammt zu sein, das kam einem Horrorszenario gleich. Wenn ich schon meinen üblichen Aktivitäten nicht nachkommen konnte, so musste ich doch neue Möglichkeiten des Tuns finden. Vielleicht einen Online-Kurs entwickeln, oder zumindest einen konsumieren, um die Zeit zu nutzen und Know How aufzubauen. Denn einfach zu warten bis der Lockdown beendet ist, bis die Pandemie vorüber ist, das kam und kommt nicht in Frage.

Tun und Wirksamkeit

Corona hat mich nachdenklich gemacht. Ich habe mir die Frage gestellt: Warum bin ich so auf das Tun fokussiert? Ist Handeln der einzige Weg zum Erfolg? Wird mein Drang zur ständigen Selbstoptimierung mit der Zeit zwanghaft, ja zum Selbstzweck. Meine Fixierung auf das Tun hat Risse bekommen. Wie so oft hat mein Denken durch ein kleines Büchlein eine neue Richtung eingeschlagen. Der Titel des Buches lautet „Über die Wirksamkeit“ von Francois Jullien. Ein sperriger Titel, ein sperriger Text. Eine zentrale These des Buches, Erfolg ist nicht nur von unserem Handeln oder unserer Initiative abhängig, sondern ich kann auch durch Zuwarten wirksam werden und erfolgreich sein, indem ich mich von der Situation tragen lasse. Mir sind dazu folgende Redewendungen eingefallen,

  • mit dem Wind segeln,
  • auf den günstigen Augenblick warten,
  • die Gunst der Stunde nutzen.

Gleichgewicht und Balance

Mir ist klar geworden, dass es schwierige Situationen geben kann, bei denen ins Tun kommen nicht reicht um sie zu bewältigen. Ich habe festgestellt, dass die einseitige Fixierung auf die Erledigung von Tasks mich mehr belastet als entlastet. Selbstoptimierung und der ständige Drang zur Produktivitätssteigerung schön und gut, aber da braucht es noch etwas mehr.

Was es braucht ist ein gesundes Gleichwicht. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen

  • Tun und geschehen lassen
  • Ruhen und tun
  • Tun und reflektieren

Dieses Gleichgewicht bzw. diese Balance scheint mir in vielen Bereichen verloren gegangen zu sein. Wir leben in einer Entweder-, Oder-Gesellschaft. Die Extreme dominieren heute. Ich habe übersehen, dass tun und geschehen lassen, tun und ruhen, tun und reflektieren in einem gesunden Gleichgewicht zueinander stehen sollten. Es kommt auf die Balance, auf das richtige Maß an. Wenn ich nur tue, werde ich ausbrennen, wenn ich mich nur treiben lasse und darauf vertraue, dass die Dinge schon geschehen werden, werde ich Schiffbruch erleiden.

Tun und Geschehen lassen

Beim Tun und Geschehen lassen geht es darum, Aufgaben anzugehen und ihnen dann die Zeit zu geben um zu reifen, und um sich zu entwickeln. Dafür braucht es Geduld und die Zuversicht, dass sich die Dinge auch ohne mein unmittelbares Zutun weiterentwickeln werden. Es geht um das Vertrauen, dass das Glück des Tüchtigen auch auf mich nicht vergessen wird.

Tun und Reflektieren

Oft werden wir durch allzu viel Denken vom Tun abgehalten. Wir grübeln und machen uns unnötig Sorgen, was denn alles passieren könnte. In solchen Situationen ist es wichtig einfach zu beginnen und das Denken beiseite zu lassen. Nach getaner Arbeit ist Zeit, um zu reflektieren. Reflektieren unterscheidet sich vom Grübeln. Es geht darum, das eigene Tun zu hinterfragen und zu lernen. Mir hat einmal ein Freund gesagt: „Nur eine reflektierte Erfahrung hat einen Wert!“ Erfahrung per se sei nett, jedoch erst wenn die Erfahrungen selbst oder mit jemand anderem reflektiert werden, entsteht neues anwendbares Wissen daraus.

Tun und Ruhen

Wer die Fähigkeit zum Ruhen verliert, verliert die Fähigkeit, die eigene Batterie wieder aufzuladen. Das beginnt damit tagsüber immer wieder Pausen einzulegen und mit neuer Frische eine Aufgabe fertigzustellen oder eine neue Aufgabe anzugehen. In der Ruhe liegt die Kraft für das zukünftige Tun.

Wir können unser Leben nicht zu 100 % kontrollieren. Es kann immer wieder Situationen geben, die sich unserer Kontrolle vollkommenen entziehen. Damit wir auch in solchen Situationen handlungsfähig bleiben, damit wir schwierige Situationen und Herausforderungen gut bewältigen können, braucht es mehr als bloßes tun. Es braucht ein gesundes Gleichgewicht, eben tun UND …

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Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

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