Wie der Vergleich der Corona Maßnahmen von Schweden und Österreich mein Verständnis für Strategie und Taktik schärfte

Der Vergleich der Corona Maßnahmen von Österreich Schweden verdeutlicht den Unterschied zwischen Taktik und Strategie
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Ein Vergleich der Corona Maßnahmen von Österreich und Schweden zeigt den Unterschied zwischen Strategie und Taktik auf, warum nachhaltiger Erfolg auf einer soliden Strategie aufbaut, dass jede erfolgreiche Strategie die Bereitschaft und Offenheit zu lernen braucht und dass es für die Beurteilung auf den richtigen Zeitpunkt ankommt.

von Wolfgang Bretschko

Am 17. April habe ich einen Blogbeitrag mit dem Thema, „Lagom – Was wir von den Schweden lernen können“ verfasst. Im Mittelpunkt stand der schwedische Weg in Zeiten von Corona. Als in ganz Europa das öffentliche Leben heruntergefahren wurde, sind die Schweden einen Sonderweg gegangen. Es gab keinen Lockdown, die Kindergärten und Schulen blieben offen, ebenso Geschäfte und Restaurants. Es hat sehr stark auf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen verlassen. Da unsere Tochter in Schweden lebt und studiert, verfolge ich dieses Experiment mit besonderem Interesse. Anfangs dachte ich, auch die Schweden werden über kurz oder lang dem Mainstream folgen und einen Lockdown verhängen, insbesondere als die Zahlen bei Infizierten und Toten stiegen und stiegen. Kurz nachdem ich meinem Blogbeitrag veröffentlichte, ist die Kritik am schwedischen Weg in Schweden selbst sowie im Rest von Europa massiv gewachsen. Die skandinavischen Nachbarn distanzierten sich und schlossen vorsichtshalber die Grenzen. Ich begann zu zweifeln. Die Schweden haben ihren Weg nicht verlassen und die Zahl der Infizierten begann mit Juli zu sinken. Aktuell ist die Zahl der Infektionen stabil und auf niedrigem Niveau.

Es gibt Themen, die sich nicht nur sachlich und faktenbasiert diskutieren lassen. So ist es mir ergangen, als ich vor kurzem mit einem Freund über den österreichischen und schwedischen Weg der Coronabewältigung gesprochen habe. Schnell ist es emotional geworden und ich bin in die Rolle des Verteidigers der Schweden gerutscht. Schnell fand ich mich im Eck derer wieder, die Corona verharmlosen und zu wenig erst nehmen. Es folgte der obligate Hinweis auf die italienischen Verhältnisse. Die Diskussion driftete beiderseits in eine schablonenhafte Schwarz-/Weiß-Argumentation ab. Dies war ein Hinweis für mich, mich dem Thema noch einmal zu widmen.

In Österreich herrscht die veröffentlichte Meinung vor, dass die Regierung im entscheidenden Augenblick alles richtig gemacht hat und dass der österreichische Weg der richtige war. Gleichzeitig steigt die Verunsicherung und es schwebt das Damoklesschwert einer zweiten Welle und eines zweiten Lockdowns über uns.

  • Wie passt das zusammen?
  • Was können wir daraus ableiten und lernen?
  • Welche Schlüsse kann ich für mich und mein Business ziehen?
  • Was hat das alles mit Strategie zu tun?

Nachhaltiger Erfolg baut auf einer soliden Strategie auf

Der Vergleich des schwedischen Weges mit dem Österreichischen hat meinen Blick für den Unterschied zwischen Taktik und Strategie geschärft. Der Lockdown war eine taktische Maßnahme, die isoliert betrachtet erfolgreich war. Wenn man die Kosten, die Neben- und die Langzeitwirkungen mit berücksichtigt, dann fällt das Urteil möglicherweise anders aus. Den schwedischen Maßnahmen lag die Einschätzung zu Grunde, dass wir noch länger mit dem Virus werden leben müssen. Die Schweden haben daher eine Strategie gewählt, die auch längere Zeit durchgehalten werden kann und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Wie oft können wir in Österreich für 6 bis 8 Wochen in den Lockdown gehen? Welche Akzeptanz würde diese Maßnahme nach der 3. Welle haben?

Für das eigene Geschäft bedeutet das: Für den kurzfristigen Erfolg reichen operative, taktische Maßnahmen. Wenn du langfristig erfolgreich sein willst brauchst du eine Strategie. Jede gute Strategie braucht eine Analyse der Ausgangslage. Wir starten im Hier und Jetzt und entwickeln ein Bild wohin wir wollen, was unsere Ziele sind. Wenn ich meinen Start genau weiß und mein Ziel genau kenne, kann ich den Weg festlegen und die Maßnahmen planen, die erforderlich sind, um mein Ziel zu erreichen.

Die Zeit ist eine wesentliche Komponente. Die Frage ist ob ich mich auf einen Sprint oder einen Marathon begebe. Ist die Coronakrise nach der ersten Welle bewältigt oder muss ich mich auf eine zweite oder dritte Welle einstellen. Um wirtschaftlich erfolgreich zu sein sollte ich mich auf einen Marathon und nicht auf einen Sprint einstellen. Dazu braucht es Geduld und Konsequenz. Um in einer Disziplin wirklich Meister zu werden braucht es viel Übung. Wer den schnellen Erfolg sucht, sollte nicht in ein Unternehmen oder seine eigene Selbstständigkeit investieren.

Eine erfolgreiche Strategie braucht Offenheit und Lernbereitschaft

Anfang Juni, meinte Anders Tegnell, der schwedische Chefepidemologe, der die Hauptverantwortung für den schwedischen Weg trägt: „Würden wir auf die gleiche Krankheit treffen, mit dem heutigen Kenntnisstand, würden wir wohl irgendwo in der Mitte landen zwischen dem, was Schweden getan hat, und, was der Rest der Welt gemacht hat.“  Die Schweden haben inzwischen eine unabhängige Kommission ins Leben gerufen, die den eingeschlagenen Weg und die Maßnahmen evaluieren sollen und darüber einen Bericht erstellen soll. Es macht einen Unterschied, ob ich der Meinung bin alles richtig gemacht zu haben oder ob ich bereit bin meine Maßnahmen zu evaluieren und aus Fehlern und Erfahrungen zu lernen.

Offenheit und Lernfähigkeit sorgen dafür, dass wir anpassungsfähig bleiben. Dafür ist es wichtig eine gesunde Balance zu finden. Einerseits geht es darum konsequent einen Weg zu gehen, und sich nicht von der ersten kritischen Äußerung abbringen zu lassen. Nichts ist leichter als Zweifel zu sähen. Anderseits geht es darum, offen zu bleiben für neue Informationen, die eine Evaluierung des Weges ermöglichen können.

Der geeignete Zeitpunkt ist entscheidend für die Beurteilung einer Strategie 

Denken ist schwer, darum urteilen die Meisten.

Carl Gustav Jung

Wir neigen sehr oft dazu ein Urteil zu fällen, obwohl das Spiel noch nicht zu Ende ist. Wann macht es Sinn die Strategie eines Marathonläufers zu beurteilen? Nach Kilometer 10 oder nach Kilometer 42? Corona ist ein Marathon. Die Gefahr, die vom Virus ausgeht, war nicht mit Ende April gebannt, daher kann auch der eingeschlagene Weg mit Ende April, Mai oder sogar Juli nur schwer beurteilt werden. Geht es uns nicht im Wirtschaftsleben auch oft so? Wir fällen ein Urteil, halten eine Sache für gewonnen oder verloren, obwohl das Spiel noch nicht aus ist. Im Gegensatz zum Marathon oder Fußballspiel wissen wir im Leben nicht wie lange das Spiel dauert. Sind es 20, 30 oder 40 Kilometer. Sind 30, 60 oder 90 Minuten.

Wir sollten uns vor vorschnellen Urteilen hüten. Für eine fundierte Beurteilung des schwedischen oder des österreichischen Weges ist es auch jetzt noch zu früh. Eine Zwischenbeurteilung kann Sinn machen, um die gewählten Maßnahmen zu evaluieren. Man sollte sich bewusst sein, dass es eine Zwischenbewertung ist.

Was können wir für unser strategisches Denken mitnehmen?

  • Wenn du langfristig erfolgreich sein willst, brauchst du eine Strategie, die du langfristig durchgehalten kannst.
  • In der Umsetzung brauchst du Geduld und Konsequenz.
  • Kritik am Weg ist normal und sie rührt oft daher, dass wir vorschnell urteilen.
  • Die konsequente und geduldige Verfolgung deiner Strategie und deiner Ziele sollte dich nicht daran hindern offen und lernbereit zu bleiben.

 

Wolfgang Bretschko
Unternehmer aus Leidenschaft, Gründer COCOQUADRAT
Coach und Consultant mit langjähriger Managementerfahrung

#designyourlife #solopreneur #entrepreneur

 

Titelbild: © Can Stock Photo / epic11

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