Wie ich einen Felsen erfolgreich bezwinge?

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In diesem Blogbeitrag erfährst du,

– wie wichtig deine Selbsteinschätzung für die richtige Auswahl deiner Projekte und Ziele ist
– warum du dir auch als Einzelkämpfer Unterstützung organisieren solltest
– warum es Übung und Vorbereitung braucht um zu performen 

von Sarah Bretschko

Die Sonne scheint durchs Fenster, und trotz nur zaghaft über den Gefrierpunkt kletternden Temperaturen in Lund, Schweden scheint der Frühling (zumindest langsam) am Weg zu sein.  Nach monatelanger Kälte und Dunkelheit gibt mir der Jahreszeitenwechsel allein schon einen regelrechten Motivationsboost, unter anderem auch dafür mit neuer Energie wieder ein paar Projekte anzugehen.

Wie setze ich meine Projekte am besten um?

Vielleicht hilft eine kleine Analogie vom Klettern…

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Ein „Projekt“ beim Klettern ist ein Fels oder eine Route, an der man länger arbeiten muss um sie erfolgreich durchzuklettern, wo höchste Konzentration, bestes Timing, 100% Performance gefragt ist. Oben seht ihr mich auf einem meiner Projekte auf dem Frankreich-Trip letzte Woche: mein erster 6C Boulder namens „No Mojo“. Ich musste viele Versuche, zuerst an den einzelnen Moves, dann am ganzen Problem investieren um diesen scheinbar harmlosen Kletterfelsen zu bezwingen, doch schlussendlich hatte ich Erfolg. Oft geht uns so auch im echten Leben – wir haben diese Projekte, die etwas mehr als den alltäglichen Einsatz und Fokus brauchen um abgeschlossen zu werden.

Wie kann ich das meiste aus meinen Projekten holen, und bei deren Umsetzung, die oft in Stress-Situationen erfolgt, die Ruhe bewahren?

1) Selbsteinschätzung & Projektwahl

Ich weiß dass ich auf einem bestimmten Niveau klettern kann, dass ich Stärken und Schwächen habe die mir erlauben bestimmte Moves zu machen und andere nicht. Ich weiß, dass ich mich nicht an einem Finger hochziehen kann, und meine Ausdauer für keine 20m lange Überhangroute reicht. Deswegen suche ich mir keine Projekte, die das von mir erfordern, sondern Dinge, die mich zwar herausfordern, aber im Bereich des Möglichen liegen. Dadurch werden Projekte zwar eine Challenge, aber keine Unmöglichkeit.

Frag dich, bevor du dir ein Projekt suchst: ist das im Bereich des möglichen? Habe ich die nötigen Ressourcen?

Wenn nicht heißt das vielleicht mehr Vorbereitung oder Aufwand.

2) Support

Klettern muss ich zwar alleine, aber nicht ohne Unterstützung meiner Freunde. Jemand hat diesen Felsen schon auf ähnliche Art und Weise geklettert und kann mir Tipps über Technik, Griffe oder bestimmte Moves geben. Ist der Felsen höher, frage ich jemanden darum, mich von unten zu unterstützen und, sollte ich stürzen, mich aufzufangen. Schlussendlich will ich natürlich auch Leute um mich haben, die mich motivieren, nicht aufzugeben, mich anfeuern, pushen! Umgib dich in deinen Projekten mit Leuten die eine positive Energie ausstrahlen, die dich supporten, für dich cheeren, dich auffangen falls du scheiterst.

Gesteh dir ein, dass du nicht alles allein machen musst!

3) Üben & Vorbereitung

Ab auf den Fels! Ich versuche zuerst einzelne Moves, die mir am Anfang vielleicht schwer erscheinen aber mit der Zeit immer leichter werden. Dann setze ich diese Moves mal zusammen, schaue wie weit ich komme. Und natürlich nehme ich mir ab und zu eine Pause, esse einen Bissen oder trinke einen Schluck um mich nicht zu sehr zu verausgaben. Wie bereitest du dich auf deine großen Projekte vor – sei es ein Frisbee-Event, Umzug, eine Aufnahmeprüfung oder ein Workshop? Gibst du dabei auf dich Acht um deine Ressourcen zu schonen? Übst du eins nach dem andern oder stürzt du dich sofort aufs große Ganze?

Überleg dir wie du dich am besten auf den großen Moment vorbereiten kannst ohne auszubrennen und vorher schon erschöpft zu sein.

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4) Performance!

Schließlich ist es so weit. Ich weiß, in Theorie kann ich mein Projekt erfolgreich abschließen und es in einem durchklettern – wäre da nicht der Druck, alle um mich herum die erwarten dass ich nun performe, die auf mich gerichtete Kamera usw. Doch jetzt erinnere ich mich daran: Ich habe alles mir mögliche getan um mich auf diesen Moment vorzubereiten. Jetzt heißt es nur noch durchführen und genießen, egal was dabei herauskommt! Wenn ich’s auf meinen Fels schaffe, schön und gut, wenn nicht, habe ich am Weg nach oben viel gelernt. Kannst du dieses Mindset vielleicht in Situationen voll Leistungsdruck in deinem Alltag anwenden? Auf wichtigen Konferenzen, Finalspielen in Turnieren, Bewerbungsgesprächen, Situationen mit schwierigen Klienten oder Jugendlichen.

Wenn du scheiterst ist nicht aller Tage Abend, es wird weitere Chancen geben um dich zu beweisen und dein Gelerntes anwenden.

So – vielleicht helfen euch diese vier Punkte ein wenig, euer nächstes Projekt erfolgreich, aber ohne zu viel Druck umzusetzen. Ich wünsch ich viel Spaß dabei (das ist nämlich das wichtigste)!

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Sarah Bretschko 
studiert „Development Studies“ in Lund, Schweden.
Dieser Blogbeitrag wurde ursprünglich als Monday Motivation Mail verfasst.