Sei kein Einzelkämpfer, suche dir ein kreatives und inspirierendes Umfeld #masterclass2017

10115425886_c3355853d2_z

Heute im COCOQUADRAT Interview Hans-Günter Brassel.

Hans-Günter Brassel ist selbständiger Unternehmensberater, Coach und Trainer. Sein Weg in die Selbständigkeit war ein mehrstufiger Prozess. Das folgende Gespräch wurde von Gregor Heise geführt. Gregor ist Teil des Masterclass Teams im COCOQUADRAT.

Was machst du?

Ich bin selbständiger Unternehmensberater, Coach und Trainer. Mein Schwerpunkt liegt im Augenblick in der Projektbegleitung von Profit- und Non-Profit-Unternehmen.

Vor meiner Selbständigkeit war ich Abteilungsleiter im Bankenverband. Die angeschlossenen Banken habe ich in den Themen Organisation, Betriebswirtschaft bis hin zu Führungsfragen beraten.

Was war deine Motivation für den Schritt in die Selbständigkeit?

Beraten hat mir immer viel Freude bereitet. Meinen Wunsch nach Selbständigkeit habe ich mir erst nach und nach erfüllt. Nach dem Bankenverband bin ich Mitarbeiter und Gesellschafter in einem Beratungsunternehmen geworden. Mit vier Kollegen haben wir dann ein eigenes Beratungsunternehmen gegründet.

De facto war ich dann selbständig. Wir haben uns die Fixkosten geteilt, und in Projekten zusammengearbeitet – jedoch war jeder sein eigener Chef! Diese Kooperation ging Ende der 90er zu Ende. Seit der Zeit arbeite ich völlig eigenständig.

Ein starker Motor für meine Selbständigkeit ist die Möglichkeit, mich selbst besser zu verwirklichen. Meine Vorstellungen von Beratung und auch wie ich mit den Kunden zusammenarbeiten will, kann ich dadurch besser umsetzen.

Der große Vorteil an der Selbständigkeit: du bist selbstbestimmt und du kannst das entscheiden, was du tust und was nicht. Es sagt dir auch keiner, wie lange du arbeiten musst. Wenn du dir unter der Woche z.B. einen Tag freinehmen möchtest, geht das leichter. Im Unternehmen hast du ja eine gewisse Präsenzpflicht.

Die Flexibilität ist als Selbständiger höher!

Was war deine größte Herausforderung?

Der große Unterschied zwischen angestellt und selbständig ist die Notwendigkeit, für eine solide finanzielle Basis zu sorgen. Man muss eine einigermaßen geregelte Auftragslage haben, um davon leben und die Familie versorgen zu können. Auch Fixkosten für Büro, Auto etc. müssen durch die Selbständigkeit gut abgedeckt werden.

Es muss am Ende noch genug zum Leben übrigbleiben!

Das ist natürlich in einer Angestelltenposition anders. Da bekommst du jeden Monat dein Gehalt und hast nicht so den Druck der Akquisition.

Das unternehmerische Risiko ist auf jeden Fall vorhanden.

Und es gibt auch schwierige Zeiten, wo es einmal nicht so gut läuft. Das muss man durchstehen und kann einen auch ganz schön fordern!

Wenn du von einer Managementposition in eine Selbständigenposition wechselst, ist der Unterschied gar nicht so groß. Auch als Manager musst du Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Natürlich musst du als Selbständiger noch mehr Entscheidungen treffen und ein höheres Risiko eingehen.

Was allerdings anders ist: du hast als Einzelunternehmer weniger Sparringspartner. Im Unternehmen findet man ja doch meistens jemanden, der einem einmal Feedback gibt oder den man in schwierigen Situationen konsultieren kann.

Was hätte dir auf deinem Weg geholfen?

Ich denke, dass ich es gut gemacht habe. Vor allem war es gut, dass ich schrittweise in die Selbständigkeit gegangen bin.

In der Anfangszeit hatte ich ja mit meinen Partnern zusammengearbeitet. Die Möglichkeit zum Austausch, zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung war gegeben. Auch für die Durchführung von Großprojekten hatte diese Kooperation einen gewissen Charme.

Für angehende Selbständige empfehle ich unbedingt, sich Sparringpartner, Mentoren oder einen guten Coach zu suchen. Auch der Aufbau eines Netzwerks von Gleichgesinnten ist wichtig. Eine andere Möglichkeit ist, sich einen Partner zu suchen, mit dem man zusammenarbeitet. Aber einen guten Partner zu finden ist nicht einfach. Man muss sich gut verstehen und auch ähnliche Vorstellungen verfolgen. Damit es auch über eine lange Zeit gut geht.

Was waren die schönsten Momente

Wenn Projekte gut verlaufen und erfolgreich abgeschlossen werden. Ganz besonders schön ist es, wenn daraus Nachfolgeaufträge entstehen – weil die Leute sehr zufrieden sind. Wenn sie dich dann noch empfehlen, dann empfinde ich das als eine tolle Bestätigung meiner Arbeit.

Resümee

Aus diesem Interview wird deutlich:

  • Selbständig zu sein bietet große Chancen zur Verwirklichung eigener Ideen. Es bieten sich große Gestaltungsspielräume, die man in einem Angestelltenverhältnis nicht hat.
  • Allerdings bestehen auch Risiken. Man muss konkret auf eine gute Auftragslage achten, um auch für schwierige Situationen gerüstet zu sein.
  • Selbständigkeit bedeutet auch, seine Selbstorganisation zu bewältigen. Als Selbständiger muss man sich Arbeitsroutinen und Abläufe erst schaffen.
  • Schließlich kann man als Selbständige/-r auch sehr rasch einsam sein. Ohne Ansprechpartner, Sparringpartner oder ein Netzwerk Gleichgesinnter wird es schwer, den Fortschritt des eigenen Unternehmens objektiv zu bewerten. Notwendige Korrekturen werden eventuell zu spät eingeleitet und der Fortschritt des eigenen Unternehmens verzögert oder gar gefährdet. Selbständigkeit bedeutet daher nicht Einzelkämpfertum. Auch hier gilt: in einem guten Netzwerk ist man einfach besser aufgehoben!

 

Interviewer: Mag. Gregor Heise
www.heisetraining.at

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*